Sehenswerte Sonderausstellung im Lüneburger Museum:

Brücke der Erinnerung – Sowjetische Soldaten aus dem Permer Gebiet in niedersächsischen Lagern“

  Die am 7. 11. Im Lüneburger Museum eröffnete Ausstellung beschreibt auf großen Tafeln das Schicksal von 12 Sowjetsoldaten, die nach dem Überfall der Wehrmacht 1941 in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten – und dann in Lager auf dem Gebiet des heutigen Niedersachsens gebracht wurden. Dort starben die meisten von ihnen an den mörderischen Haftbedingungen; nur wenige überlebten und konnten nach 1945 in ihre Heimat zurückkehren.

  Die Soldaten, deren Biografien im Zentrum der Ausstellung stehen, stammen aus Ortschaften nahe der russischen Stadt Perm. Angehörige dortiger Kultureinrichtungen recherchierten in den Familien der früheren Rotarmisten und stießen dabei auf großes Interesse: viele persönliche Erinnerungen, Fotos und Gegenstände kamen zusammen – die zum Teil in die Präsentation aufgenommen wurden.

  Die Ausstellung demonstriert auf diese Weise, dass die sowjetischen Kriegsgefangenen in Deutschland nicht einfach bestenfalls nur „gute Arbeitskräfte“ waren (woran sich heute z.B. noch ältere Dorfbewohner*innen hierzulande erinnern), sondern Menschen mit individueller Biografie, eingebettet in Familien, Nachbarschaft, Gemeinden. Gezeigt werden so auch Bilder aus dem Leben der Porträtierten vor dem Krieg – und es wird deutlich, wie die Erinnerung an diesen besonderen Krieg und an den Vater, Groß- und Urgroßvater in ihren Familien fortlebt.

  Demgegenüber nehmen die verbrecherische deutsche Kriegsführung gegen die Völker der ehemaligen Sowjetunion und deren Fortsetzung bei der mörderischen Behandlung der Kriegsgefangenen unter deutscher Verantwortung keinen bzw. nur wenig Raum ein. Auch eine ergänzende Information über die Situation sowjetischer Kriegsgefangener im damaligen Lüneburg wäre denkbar, ist aber schon aufgrund mangelnder Forschungen derzeit nicht machbar. Man darf aber davon ausgehen, dass solche Aspekte bei den Veranstaltungen des Begleitprogramms berücksichtigt werden.

  So hielt Dr. Joachim Tauber (Nord-Ost-Institut) zur Eröffnung der Ausstellung ein Referat über „Die Bedeutung des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion 1941: Überlegungen zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik“; darin erhellte er die Motive der deutschen Kriegsplanung mit Dokumenten aus „Mein Kampf“ über die sog. „verbrecherischen Befehle“ bis zu Darstellungen aus Wehrmachtsbroschüren.

  Die Ausstellung „Brücke der Erinnerung“ wurde 2019 an vielen Orten der Region Perm gezeigt und dort von Zehntausenden Besucher*innen gesehen. In Deutschland wurde sie schon in der Gedenkstätte im ehemaligen Gefangenenlager Sandbostel und im U-Boot-Bunker Valentin bei Bremen gezeigt. Dem Team des Museums Lüneburg um Frau Dr. Düselder ist zu danken, dass sie nun auch in Lüneburg zu sehen ist.
 
  Wir wünschen der Ausstellung und den zusätzlichen Veranstaltungen aus dem Begleitprogramm viele Interessierte Besucher*innen.

Daten der Ausstellung aus Flyer: Ankündigung der Begleit-Veranstaltungen

 

Anstelle eines Kataloges empfiehlt sich die Seite https://kriegsgefangene.net, auf der u.a. die Biografien der 12 Rotarmisten nachzulesen sind.