Montag, 15.06.2021

22. Juni 1941 Deutschlands Überfall auf die Sowjetunion

Wie Lüneburg sich an dem Vernichtungskrieg
beteiligte

Veranstaltung zu einem denkwürdigen Jahrestag!
Wann: 22. Juni 2021, 19.00 h
Wo: Museum Lüneburg, Marcus-Heinemann-Saal

In dieser Veranstaltung zum 80. Jahrestag wollen wir der Frage der Lüneburger Beteiligung und Verantwortung nachgehen. Auf eine kurze Darstellung der sog. „verbrecherischen Befehle“ folgen Einzelvorträge zur Beteiligung Lüneburger Wehrmachts-Truppen (22. ID [47. IR/ 22. AR],  110. ID), zur Existenz und Behandlung sowjetischer Zwangsarbeiter*innen in Lüneburg und zur Geschichte des „Russenfriedhofes“ bei Reppenstedt. 

Ein verbrecherischer Angriffskrieg

Schon lange vor dem eigentlichen Angriff auf die Sowjetunion war dem Oberkommando der Wehrmacht, somit der Generalität bekannt, dass es sich bei diesem Angriff nicht um einen Krieg im herkömmlichen Sinn (Eroberung des Staatsgebietes/Macht-übernahme) ginge. Das Ziel war die vollständige Vernichtung des sow-jetischen Staates, seiner Einwohner durch die massenhafte Ermordung der Bevölkerung und durch die Zerstörung der Lebensgrundlage. Im Dezember 1940 begann die Wehrmachtsführung diesen Vernichtungs-krieg, das „Unternehmen Barbarossa“ konkret vorzubereiten. Das schreck-liche Ergebnis:

Mehr als 25 000 000 Tote auf russischer Seite.

Lüneburger Einheiten

Ab Juni 1941 beteiligten sich auch Militäreinheiten aus den vier Lüneburger Kasernen am Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, wie z.B. das 47. Infanterieregiment (Teil der 22. Infanteriedivision) im südlichen- und die 110. ID. im mittleren Angriffsgebiet. Für beide Einsatzräume (v.a. Ukraine, Belarus) sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit nachgewiesen. Wir beleuchten diesen Aspekt der Kriegs-führung „gegen den bolschewistischen Todfeind“ und schildern, wie dreist Veteranen dieser Truppen nach 1945, mit kräftiger Unterstützung der Stadtgesell-schaft, die historischen Tatsachen ver-drehten und an der Legende von der „sauberen“ Wehrmacht strickten.

Der „Russenfriedhof“ bei Reppenstedt

So unvorstellbar die vielen namenlosen Millionen Toten sind, so kennen wir den Namen des sowjet-ischen Kriegsgefangenen Michail Rygalow. Mit etwa 50 russischen Kriegsgefan-genen wurde er zwischen dem Landgasthof Böhms-holz und Reppenstedt verscharrt. In den fünfziger Jahren wurden die namentlich bekannten Toten nach Munster überführt und dort anonym in einem Massengrab beerdigt.

„Schlechter ging es den Russen.  Die meisten suchten in den Mülltonnen nach, ob noch etwas Essbares darin war.“ 
So der Sozialdemokrat Karl Marquardt zur Situation der   sowjetischen Zwangsarbeitenden in Lüneburg           
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Im Zuge ihres Konzepts zur Gewinnung von „Lebensraum im Osten“ setzten die Deutschen in der Sowjetunion ihre Planung um, die Gebiete wirtschaftlich zu ruinieren und die Bevölkerung auszuhungern, zu vertreiben oder in Zwangs-arbeit zu bringen. Über Gestellungsbefehle und Razzien wurden die Menschen gezwungen, die weite Reise in geschlossenen Güterwaggons nach Lüneburg durchzustehen, wo sie am Bahnhof von den Arbeitgebern ausgesucht und abgeholt wurden. Fast alle Lüneburger Hand-werker, Händler und Gastronomen profitierten von der Ausbeutung ihrer Arbeitskraft. 17 Lager wurden im Stadtbezirk überwiegend auf Betriebsgelände eingerichtet, manche auch direkt als „Russenbaracke“ deklariert, um die Zwangsarbeitenden als Arbeitsgefangene der Firma zu halten.

Noch schlimmer erging es den sowjetischen Kriegsgefangenen. Innerhalb weniger Monate starben zwei Millionen der bis Ende 1941 gefangengesetzten 3,35 Mio Soldaten der SU an Auszehrung infolge ungenügender Essens-rationen, mangelnder medizinischer Betreuung und fehlenden Schutzes vor Hitze und Kälte, bis zum Kriegsende noch weitere 1,3 Mio sowjetische Kriegsgefangene. Alleine in den drei Kriegsgefangenenlagern des Regierungs-bezirks Lüneburg Bergen-Oerbke, Bergen-Belsen und Wietzendorf starben ca. 47.000 sowjetische Kriegsgefangene.

Flyer Seite 1
Flyer Seite 2

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Freitag, 11.06.2021

Plakataktion in Lüneburg

Mit einer Plakataktion wird seit gestern in Lüneburgs Innenstadt auf das Datum 22. Juni 1941 aufmerksam gemacht. Eine Erinnerung an einen, der der vor 80 Jahren die Welt veränderte.

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Dienstag, 11.05.2021

Neues Buch der VVN-BdA- Lüneburg

Wolfgang Mirosch und seine Mutter Katharina Czaja

Die Geschichte eines Adendorfer Kindes und einer Lüneburgerin im Nationalsozialismus

Das aktuelle Buch schildert das Schicksal der Lüneburger Sinti und Roma während der Herrschaft des Nationalsozialismus am Beispiel des Grundschülers Wolfgang Mirosch und seiner Mutter Katharina Czaja. Auf Grundlage neuester Forschungen, unter anderem in den verschiedensten Archiven zeichnet Peter Raykowski auf akribische Art das kurze Leben von Wolfgang Mirosch und seiner Mutter Katharina Czaja nach. Schon fällt als erstes auf: Warum trägt Wolfgang einen anderen Nachnamen als seine Mutter? Ein Frage von vielen, die in dem Buch beantwortet werden.
   Wir wünschen dem Buch eine große Verbreitung und freuen uns über Rückmeldungen. Besonders weisen wir darauf hin, dass die Darstellung mit ihren einfühlsamen Texten sowie zahlreichen Abbildungen besonders für die Bildungsarbeit auch mit jungen Menschen gedacht und geeignet ist.  Auf Wunsch können wir dafür auch Lesungen anbieten.

Zum Vorwort der Schrift

Zum Inhaltsverzeichnis

Das Buch ist für 15€ / (Solidaritätspreis 17€)  hier zu erhalten

–       Im Shop des Museums Lüneburg

 –      Buchhandlung Adendorf, Kirchweg 72

 –      Avenir Laden & Café, Katzenstraße 2 (Im Heinrich-Böll-Haus), 21335 Lüneburg

–      Buchhandlung, Häcklingen, Alter Hessenweg 6

–      Buchhandlung Hohmann Bleckede, Friedrich-Kücken-Str. 1, 21354 Bleckede

oder für 15€ / (Solidaritätspreis 17€); zzgl. 3 € Versandkosten auf dem Postweg – Bestellung über vvn-bda-lueneburgätvvn-bda-lg.de

ISBN 978-3-00-068686-3

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Freitag, 07.05.2021

Das Lüneburger Netzwerk gegen Rechts ruft auf

Zum 76. Jahrestag der Befreiung

8. Mai 1945 – 8. Mai 2021
76. Jahrestag der Befreiung
   Wir rufen dazu auf, am 8. Mai 2020 am Mahnmal für die Opfer des Faschismus Blumen niederzulegen und Erklärungen unter dem Motto „Der 8. Mai ist für mich ein Feiertag, weil…“ abzugeben und zu hinterlassen. Alle Beiträge werden gesammelt und später veröffentlicht und dienen auch zur Unterstützung der Petition von Ester Bejarano.
Am 8. Mai 1945 wurde nahezu ganz Europa von Faschismus und Krieg befreit. In Deutschland erlebten in erster Linie die überlebenden Verfolgten, die Tausenden, die noch in den KZ´s eingesperrt waren und Wider-standskämpfer*innen diesen Tag als Befreiung. Aber auch wir alle, die wir heute leben, verdanken die Chance eines Lebens in Frieden, Freiheit und Vielfalt den Menschen, die den Faschismus bekämpften und NaziDeutschland besiegten. Die alliiertenStreitkräfte sind und bleiben auch unsere Befreier*innen. Mit besonderer Dankbarkeit erinnern wir an den Beitrag, den der antifaschistische Widerstand in Deutschland, in der Emigration, als Teil von Partisan*innenverbänden und in den Streitkräften der Antihitlerkoalition geleistet hat.
   Am 18. April 1945 besetzten britische Truppen Lüneburg und beendeten die 12-jährige Herrschaft der Nazis. Am 4. Mai 1945 kapitulierten auf demTimeloberg nahe Deutsch-Evern die deutschen Truppen in Nordwest-deutschland. Noch wenige Tage vor der Befreiung Lüneburgs mussten hier über 250 Häftlinge eines KZ-Transports sterben. Sie starben bei einem Luftangriff oder wurden von der Wachmannschaft erschossen. Allein am 11. April 1945 wurden 60 bis 80 Häftlinge in der Nähe des Bahnhofs ermordet.
   Der 8. Mai gilt als Tag der Befreiung. Doch während der Krieg und die NS-Diktatur ihr Ende fanden, lebten Teile der Nazi-Ideologie und ihre Vertreter*innen weiter und so haben Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus
in der Bundesrepublik Deutschland eine traurige und brutale Tradition. Heute erleben wir eine EU, die ihre Außengrenzen abschottet und dass Elend der Flüchtlinge an den Grenzen und das Sterben im Mittelmeer weiter zulässt.
   Der Wiedereintritt Deutschlands in die Reihe der kriegsführenden Länder stellt einen Bruch mit dem Nachkriegs-konsens »Es soll nie wieder Krieg von deutschem  Boden ausgehen« als wichtigste Lehre aus der jüngeren deutschen Geschichte dar. In vielen Ländern der Welt, im Irak, in Afghanistan, Syrien, in der Ukraine und des afrikanischen Kontinents toben Kriege. Wieder sind deutsche Waffen – und oft auch deutsches Militär – beteiligt. Die Bereitschaft, »deutsche Interessen« erneut mit militärischen Mitteln durchzusetzen ist in Regierung und Bundestag gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung wieder politische Praxis geworden. Außerdem sitzt mit der selbsternannten „Alternative für Deutschland“ zum ersten Mal seit 1945 eine explizit extrem rechte Partei mit offen wahrnehmbaren faschistischen Tendenzen im Bundestag.
   Mehr als 55 Millionen Menschen fielen Naziterror, Shoah und Vernichtungskrieg zum Opfer. Sie bezahlten den deutschen Griff nach der Weltherrschaft mit unvorstellbarem Leid und ihrem Leben. In vielen ehemals von Nazideutschland besetzten Ländern wurden der 8. und/oder 9. Mai gesetzliche Feiertage.
   Genau 40 Jahre hat es gedauert, bis ein Präsident der Bundesrepublik an einem 8. Mai von Befreiung gesprochen hat. Mit Weizsäckers Rede wurde die Perspektive der Verfolgten des Naziregimes »gesellschaftsfähig«.

Wir fordern, dass der 8. Mai als Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg endlich auch in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag wird.

   Der 8. Mai ist ein Tag zum Feiern, an dem es auch darum geht, einen Beitrag für die Gegenwart und Zukunft zu leisten, damit die neuen Nazis niemals eine Chance bekommen dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte zu wiederholen.

*Samstag, 8. Mai 2021
11 bis 16 Uhr
Mahnmal für die Opfer des Faschismus
Lindenstrasse
Lüneburg*


Facebook:**https://www.facebook.com/events/472628234009707
<https://www.facebook.com/events/472628234009707>

*Lüneburger Netzwerk gegen Rechts*

Dienstag, 04.05.2021

Der 8. Mai muss als Tag der Befreiung gesetzlicher Feiertag werden

Esther Bejarano, Auschwitzüberlebende:
Ich fordere: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten. Und hilft vielleicht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschlagung des NS-Regimes. Dies schrieb ich in einem offenen Brief am 26. Januar 2020 „an die Regierenden und alle Menschen, die aus der Geschichte lernen wollen“.

Eindringlich erinnert Esther Bejarano immer wieder an das Grauen in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten.

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Samstag, 01.05.2021

Dem Ruf "Hinaus zum Ersten Mai" folgten in Lüneburg viele Hundert Menschen!

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Donnerstag, 19.04.2021

Aus dem 1.Mai-Aufruf des DGB Lüneburg

   In diesem Jahr wollen wir am 1. Mai wieder Kundgebungen an verschiedenen Orten unserer Region durchführen, auch wenn die Corona-Pandemie immer noch das öffentliche Leben bestimmt. Uns ist es wichtig ein Signal zu setzen. Zum einen wollen wir die vielen, vielen Missstände sowie unsere Forderungen für eine gerechte Sozialpolitik verdeutlichen. Zum anderen müssen wir unsere Kolleg*innen und alle die an der Kundgebung teilnehmen möchten auch schützen.

   In Anbetracht der aktuellen Pandemielage haben wir uns in diesem Jahr dafür entschieden, dass wir auf das übliche und liebgewonnene Gewerkschaftsfest für die ganze Familie verzichten und die Kundgebung mit allen erforderlichen Hygieneschutzmaßnahmen (Abstand halten – Maskenpflicht etc.) durchführen. Das heißt, wir werden keine Infostände haben, die unter Umständen zu Verteilaktionen und Ansammlungen von mehreren Menschen führen könnten. Einen Imbisswagen und auch einen Getränkeverkauf wird es nicht geben. Auch für die Kleinen werden wir in diesem Jahr kein Spielangebot bieten können.

   Zu unserer Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbunds am 1. Mai 2021 in Lüneburg unter dem Motto „Solidarität ist Zukunft“ laden wir Sie herzlich ein.

Demo: 10.00 Uhr                        Treffen auf dem Lambertiplatz zur Demonstration

Kundgebung: 11.00 Uhr            Beginn der Kundgebung auf dem Marktplatz

   Als Rednerin zum Tag der Arbeit freuen wir uns in diesem Jahr in musikalischer Umrahmung unsere Kollegin Louisa Mertens, die Bezirksjugendleiterin der IG Metall Niedersachsen – Sachsen-Anhalt aus Hannover begrüßen zu können.

   Neben dieser Veranstaltung vor Ort wird der Deutsche Gewerkschaftsbund zudem wie im vergangenen Jahr wieder ab 14 Uhr auf www.dgb.de einen Livestream zum 1. Mai senden.

Der Livestream auf Youtube mit deren Datenschutzbestimmungen

Hier sind die Maikundgebungen in der näheren Umgebung zu finden:

Soltau
Uelzen
Celle
Lüchow

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Montag, 19.04.2021

Mahn- und Gedenkveranstaltung zum 76. Jahrestag der Befreiung des KZs-Bergen-Belsen

Im Rahmen einer Mahn- und Gedenkveranstaltung zum 76. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen erinnerten Antifaschist*innen auf dem Sowjetischen Kriegsgefangenenfriedhof in Bergen-Hörsten der Opfer.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von der Sprecherin der VVN-BdA Niedersachsen, Mecki Hartung, die den weiteren Verlauf auch moderierte.

Besonders eindringliche Redebeiträge waren von Rolf Becker und einem Vertreter der Botschaft von Belarus zu hören. Auch Esther Bejarano, die Ehrenvorsitzenden der VVN-BdA, ließ ein Grußwort verlesen.

Der Redebeitrag des Journalisten und Mitherausgebers der Zeitschrift „Ossietzky“, Rainer Butenschön, führte die Schrecken des von den deutschen Faschisten geführten Vernichtungskrieg vor Augen.

Ein längerer Ausschnitt ist hier zu sehen

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Donnerstag, 15.04.2021

Die älteste Antifaschistin Lüneburgs hat am 17. April Geburtstag

Was für ein Leben – Wir gratulieren unserer Freundin Sonja Barthel zum 104. Geburtstag

Sonja Barthel

Am selben 17. April 1917, als Wladimir Lenin im fernen Petrograd die sogenannten April-Thesen vortrug (Errichtung einer Republik auf Basis der Sowjets) und in Stockholm sich deutsche Sozialdemokraten mit Mitgliedern des russischen Arbeiterrates trafen, um über die Beendigung des Krieges zu beraten, wurde in der Berliner Teutonenstraße ein kleines Mädchen geboren. Ihre Eltern gaben ihr einen seinerzeit recht ungewöhn-lichen Namen, einen russischen. Nicht ohne Grund, denn beide (Vater aus deutsch-nationalem Beamten-Elternhaus, Mutter aus dem jüdischen Besitzbürgertum) lebten für die sozialistische Idee, hofften auf den Sieg der russischen Revolution und auf eine baldige Beendigung des 1. Weltkrieges. „Sonja“ wurde das kleine Wesen benannt, „die Wissende und Weise“, „die Träumerin“, „die für die Wahrheit Kämpfende“.
Vielleicht auch ein Omen für ihren späteren Lebensweg:

Den Leitspruch der Aufklärung „Wissen ist Macht“ machte sie sich zu eigen, schon als Au-Pair-Mädchen in England während der 1930er-Jahre, später im Pädagogik- Studium in der DDR und anschließend in Lüneburg ab 1953 und sie lernte mehrere Fremdsprachen (darunter Esperanto). Eine „Träumerin“ war sie ihr Leben lang, nämlich träumend von einer besseren Welt ohne Krieg, Ungerechtigkeit und Armut. Und sie versuchte, ihre Träume Realität werden zu lassen wie etwa 1936 in London, als sie in einem Rekrutierungsbüro vorstellig wurde in der Absicht, nach Spanien zu gehen, um die dort gegen Franco kämpfenden Antifaschisten/-innen tatkräftig zu unterstützen. Und auch für die Wahrheit kämpfte sie ihr Leben lang, als Mitglied der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes schon ab 1949 und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ab 1954 (als sie in den Schuldienst eintrat), auch der SPD und später in der Lüneburger Geschichtswerkstatt.

Sonjas Mitgliedsbuch der VVN-BdA

Aus der SPD trat sie 1999 wieder aus, als diese Partei den Krieg gegen Jugoslawien unterstützte, was mit ihrer antifaschistischen Haltung nicht zu vereinbaren war. Neben diesen charakteristischen Eigenschaften besaß Sonja noch was, nämlich jede Menge „Massel“. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie als „Halbjüdin“ den Nazis immer wieder ein Schnippchen schlagen konnte und das dazugehörige (riesige) Quäntchen Glück hatte, um 1939/40 unentdeckt im Frankfurter Hochhaus der (ausgerechnet !) IG-Farben zu arbeiten, anschließend bei dieser Firma in Belgien und dann noch in Berlin die Gestapo-Vorladungen zu überstehen.

Sonjas zweites Leben begann mit der Befreiung im Mai 1945, Pädagogik-Studium und Lehrtätigkeit in Berlin, Umzug nach Lüneburg Ende 1952 – der Liebe wegen. Hier nochmaliges Studium (ihre DDR-Qualifikation wurde nicht anerkannt) an der provisorischen PH, nebenbei dort Gründung des „Sozialistischen Deutschen Studentenbundes“ SDS, Arbeit an einer zweiklassigen Volksschule in Lüneburg – Ochtmissen, bis sie 1959 endlich ihre 2. Lehramtsprüfung abgelegen durfte und anschließend in Lüneburg-Goseburg, dann an der Lüner Schule unterrichtete. Fünf Jahre später wurde sie – für 10 Jahre – „Ratsherrin“, Mitglied des Rates der Stadt Lüneburg. Ihr besonderes Interesse und ihr Engagement für die Spracherwerbs- probleme ihrer Schulkinder führte sie zur Sonderschule L (für lernbehinderte Kinder). Nun wurde sie im Alter von 55 Jahren erneut Studentin (Ausbildung zur Lehrerin im Bereich Sonderpädagogik- Sprachheilpädagogik), unterrichtete anschließend viele Jahre eine Sprachheilklasse und wurde nach Einführung der Sonderschule G (für geistig behinderte Kinder) deren Konrektorin (mit 61 Jahren!), wohin sie wegen ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit der Einrichtung der Lüneburger „Lebenshilfe“ berufen wurde.

Ein weiteres Mal startete Sonja nach ihrer Pensionierung durch: Die lokale Geschichtsarbeit über die NS-Verbrechen stand für sie im Vordergrund und selbst als über 90-Jährige war sie auf Anti-Nazi-Kundgebungen (auch als Sprecherin) ebenso zu finden wie als Vortragende in Bildungseinrichtungen, zuletzt im März 2016 vor etwa 500 Schülern/-innen der Herderschule sowie im Juni desselben Jahres (nach Vollendung ihres 100. Lebensjahres!) vor der Literarischen Gesellschaft Lüneburg.

Im Gespräch bei der Literarischen Gesellschaft Lüneburg
Vor 4 Jahren: Sonja feiert ihren 100. Geburtstag

Und es wurde die Welt bereist, kaum ein Kontinent ausgelassen, Verwandten- besuche, Kontakte zu ihren Esparanto-Freunden/-innen gepflegt. Lange bevor der Terminus „Couchsurfing“ bekannt wurde, schlief sie bereits auf den Sofas ihrer Esparanto-Gastgeber rund um den Globus. Sprache? Kein Problem. Freunde/-innen aus aller Herren/Damen Länder waren bei ihr zu Hause zu Gast in ihrer Mehrgenerationen-Wohngemeinschaft in Lüneburg, wo sie wohnt mit Nicol und Georg und deren Kindern sowie, seit einem Jahr, einer Enkelin. Kein Wunder also, dass bei ihrer Feier zum 100. Geburtstag über 160 Gäste aus vielen Staaten Europas und darüber hinaus zugegen waren. Was für ein Leben!

Sonja im Kreise ihre Wohngemeinschaft

Übrigens: Seit einiger Zeit gibt es in Lüneburg ein „Sonja-Barthel-Haus“. Die Jugendorganisation „Die Falken“ hat das Gebäude ihrer Unterkunft in der Lauensteinstr. 1 / Ecke Am Springintgut nach Sonja benannt – antifaschistisches Engagement verbindet!

Sonja, wir wünschen dir und uns, dass du noch lange mit uns „die alten Lieder“ singen wirst (die immer noch aktuell sind), von „Avanti Popolo“ bis zu „Dem Morgenrot entgegen“ und dabei deine Stimme, wie immer bei diesen Anlässen, nicht zu überhören ist.


Es grüßen dich deine antifaschistischen Freundinnen und Freunde.

 

 

Übrigens:


Ihre Lebenserinnerungen schrieb Sonja als knapp 90-Jährige auf und veröffentlichte sie unter dem Titel „Wie war das damals, erzähl doch mal …“ Diese Autobiografie kann bei der Lüneburger Geschichtswerkstatt bestellt werden unter:

info@geschichtswerkstatt-lueneburg.de

pa/pg

Sonntag, 04.04.2021

Friedenskundgebung im Clamartpark Lüneburg

Redner*innen brandmarken die verstärkten Rüstungsanstrengungen

Unter den Augen des, wegen der inzwischen freundlicheren Farbgebung, nicht mehr ganz so martialischen Dragoner-Kriegers versammelten sich am Samstag Menschen, die dem Aufruf des „Friedensbündisses Lüneburg“ folgten. Thematisiert wurde die Rüstungspolitik der Bundesrepublik.

Die Bundesrepublik konnte sicherlich den guten 7. Platz von 2020 bei den Ausgaben für Rüstungsgüter im Vergleich mit anderen Staaten halten. Sollen die Rüstungsausgaben doch von 45,6 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf rund 50 Milliarden in diesem Jahr steigen. Nur die Hälfte des Rüstungsetats sind für das Gesundheitssystem vorgesehen und ein Bruchteil für die Entwicklungshilfe.

Vergleicht man die Rüstungsausgaben der USA mit denen Russlands erscheint die gebetsmühlenartig immer wieder vorgebrachte Behauptung, die weitere Aufrüstung der Bundeswehr sei nötig, um eine Aggression der Russischen Föderation zu verhindert, doch mehr als fragwürdig.

Beifall fanden deshalb immer wieder die Forderungen der Lüneburger Friedensbewegung:

  • Für internationale Kooperation statt immer neuer Kriegseinsätze
  • Für ein Verbot von Waffenexporten aller Art
  • Verbot aller Atom- und Massenvernichtungswaffen überall
  • Für ein Ende der Festung Europa und die Wiederherstellung des Asylrechts
  • Für konsequente Abrüstung und die Umverteilung freiwerdender Mittel
  • Für die Umsetzung der Menschenrechte sowie internationale Solidarität weltweit.

Der Redebeitrag der VVN-BdA-Lüneburg zeigte am historischen Beispiel des größten Lüneburger Kriegsverbrechens wie sich die Grundforderung der VVN-BdA

  • Nie wieder Faschismus !
  • Nie wieder Krieg !
    mit Inhalt füllen lässt.

   Den Redebeitrag ansehen und anhören.

Ein weiterer Beitrag der VVN-BdA-Lüneburg waren Rezitationen aus dem Gedicht „Wacht auf“ von Erich Fried und aus dem Theaterstück „Bambiland“ von Elfriede Jelinek.

Die Forderung „Nie wieder Krieg“ passt noch nicht für die Kurdengebiete.
Dort muss es heißen „Den Krieg sofort beenden!“

Auf den seit Jahren andauernden Krieg des türkischen Staates gegen die kurdische Bevölkerung machte eine Sprecherin der Linken in einer eindringlichen Rede aufmerksam. Die Aktionen des türkischen Militärs innerhalb der Türkei und in angrenzenden Staaten fordern täglich Opfer. Die basisdemokratischen Strukturen in den Kurdengebieten wurden und werden zerstört.

Die Situation von Frauen in der Türkei prangerte die Rednerin an. Es ist eine weitere Verschlechterung der Lage zu erwarten, weil der türkische Staat die Istanbul-Konvention, das weltweit erste verbindliche Abkommen gegen Gewalt an Frauen, aufgekündigt hat.

Die Rednerin sprach in Vertretung für eine kurdische Aktivistin aus Celle.

pg

Freitag, 26.03.2021

Veranstaltungen Gemeinnützigkeit

   Auftaktveranstaltung zur Veranstaltungsreihe „Wer oder was ist eigentlich gemein-nützig? Geschichte, Gegenwart und Ausblick zum Kampf um die Gemeinnützigkeit“ startete online mit über 100 Teilnehmer*innen.
   Conny Kerth, Christian Viefhaus und Anika Taschke (Moderation) führten durch die Veranstaltung. Für alle, die nicht teilnehmen konnten, sind Wortbeiträge und Diskussion unten auf Youtube zu sehen und zu hören.

pg

Donnerstag, 25.03.2021

Erster großer Erfolg der bundesweiten Solidarität

Finanzamt rudert zurück – VVN-BdA ab 2019 wieder gemeinnützig!

Hier die Pressemitteilung der VVN-BdA:

Finanzamt rudert zurück – VVN-BdA ab 2019 wieder gemeinnützig!
Der erste Schritt ist getan: Über unsere Anwälte erreichte uns heute die Mitteilung des Finanzamtes für Körperschaften I in Berlin für das Jahr 2019: die VVN-BdA ist wieder gemeinnützig.
Das ist ein gutes und wichtiges Signal für den Antifaschismus in diesem Land!
   Zur Begründung teilt das Finanzamt mit, die Gemeinnützigkeit könne „nach eingehender Prüfung“ gewährt werden, da die Bundesvereinigung der VVN-BdA im Jahr 2019 im Verfassungsschutzbericht des bayerischen Geheimdienstes nicht mehr als „extremistische Organisation“ eingestuft sei. Aufgrund der geänderten Einstufung stehe der Paragraph 51 der Abgabenordnung der Anerkennung der Gemeinnützigkeit „nicht im Wege“.
Die VVN-BdA wertet das als Signal, dass die Vernunft siegen wird und wir sind jetzt zuversichtlich, bald auch eine positive Nachricht für die Jahre 2016-18 zu erhalten.
   An dieser Stelle bedanken wir uns schon einmal bei allen, die uns bei dieser schwierigen und langen Auseinandersetzung unterstützt haben! Durch die große Solidarität, die verstärkte Öffentlichkeit und den lauten Protest von Vielen wurde deutlich, welche Bedeutung die VVN-BdA in diesem Land bis heute innehat, und dass Antifaschismus eine breite gesellschaftliche Basis hat.

Gemeinsam sind wir stark!

Für Presseanfragen stehen wir gerne zur Verfügung.
Kontakt: Hannah Geiger (Pressereferentin VVN-BdA) presse@vvn-bda.de Mobil |Mobile +49 (0)178 2785958 Telefon (+49) 030-55579083-4 Telefax (+49) 030-55579083-9

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Dienstag, 23.03.2021

Lange Zeit verschwiegen und vergessen - Die Verfolgung der Sinti und Roma

Für die Zeit vom 16. bis 27. März 2021 haben viele Gruppen, Initiativen Bündnisse und Netzwerke sich zusammen getan. Sie bieten eine Vielzahl von Aktionen und Veranstaltungen an.
Die VVN-BdA-Lüneburg führt zwei Veranstaltungengemeinsam mit der „Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten/Kompetenzstelle gegen Antiziganismus“ durch.

Jetzt online verfügbar der Film: Die Verfolgung der Lüneburger Roma und Sinti im Nationalsozialismus

Die Verfolgung der Lüneburger Roma und Sinti im Nationalsozialismus

Foto aus dem Film “Die Verfolgung von Sinti und Roma in Lüneburg…”

Die Fotos, von der Entstehung des Filmes, machen den Lüneburger bzw. Adendorfer Bezug deutlich.

Zur Umsetzung dieses Projektes durch die Falken (MOBIRED) und die VVN-BdA-Lüneburg im Interview Georg Gunkel-Schwaderer mit Peter Asmussen.

Foto aus dem Film “Die Verfolgung von Sinti und Roma in Lüneburg…”

„Die Verfolgung der Lüneburger Roma und Sinti im Nationalsozialismus und der daraus erwachsene Auftrag an die heutige (Stadt-) Gesellschaft“.
Wir haben in den letzten Wochen gemeinsam mit den Falken (MOBIRED) einen Film zum Thema gedreht und wollen eine Kurzversion davon zeigen. Der Film in voller Länge ist dann in den Tagen darauf über unsere Homepage anzuschauen.

Foto aus dem Film “Die Verfolgung von Sinti und Roma in Lüneburg…”

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Gedenken an den Terroranschlag in Hanau

 
Freitag, 19.02.21, 16 bis 18 Uhr Marktplatz Lüneburg
 

Ein Jahr nach dem Terroranschlag wird auch in Lüneburg von verschiedenen Bündnissen zum Gedenken aufgerufen: Am Freitag, den 19.02.21, von 16 bis 18 Uhr auf dem Marktplatz. Gemeinsam gegen die Angst. Erinnern heißt verändern.

Bitte denkt an eine Maske. Es werden FFP2-Masken gegen Spende bereitgestellt. Haltet Abstand. Bringt gerne ein Glas mit einem Teelicht oder eine andere Art von Kerze mit.

Freitag, 29.01.2021

Würdevolle Gedenkfeier zum Jahrestag der Befreiung des KZ-Auschwitz

Erneut gelang es der Antifaschistischen Aktion Lüneburg/Uelzen auch unter erschwerten Bedingungen eine Feier durchzuführen

Teilnehmer*innen verschiedener antifaschistischer Organisationen verteilten sich weitläufig im Wandrahmpark. Sie hörten Redebeiträge, die alle einzelne, persönliche Schicksale und Erlebnisse von Naziopfern in den Mittelpunkt stellten. Vorgetragene Erlebnisberichte von rassistisch und/oder politisch Verfolgten machten das unsagbare Grauen der faschistischen Vernichtungsdoktrin greifbar.

Die Schilderung der erdrückenden Aussichtslosigkeit, gegenüber der Darstellung des Widerstandes im Warschauer Ghetto und besonders des Widerstands im KZ-Auschwitz wurde von den Redner*innen machte deutlich: „Widerstand ist immer möglich!“ 1944 griffen vor dem Krematorium III im Vernichtungslager mehrere Dutzend Häftlinge mit Waffen und Steinen die SS-Offiziere an. Gleichzeitig, wurden Krematoriumgebäude mit selbst gebauten Granaten in Brand gesetzt. Frauen, die als Häftlinge in der Munitionsfabrik in Auschwitz arbeiten mussten, hatten unter Lebensgefahr Schießpulver in die Krematorien geschmuggelt, aus denen Granaten hergestellt wurden. Auch wenn dieser als „Vergessener Aufstand“ bekannte Widerstand letztlich niedergeschlagen wurde, widerspricht er dem oft vermittelten Eindruck, dass sich die Häftlinge der Konzentrationslager wie „Schafe“ zur Schlachtbank führen ließen.  

Einen unerfreulichen Eindruck hinterlässt allerdings immer wieder, der etwas verloren im Park stehende Eisenbahnwaggon der Reichbahn. Immerhin inzwischen mit einer Informationstafel versehen, wartet er jetzt seit Jahren darauf als das genutzt werden zu können, weshalb er dort aufgestellt wurde, nämlich als Lernort der unter anderem die Grausamkeit der Häftlingstransporte greifbar macht.
Der Redebeitrag der VVN-BdA-Lüneburg zeigt die versuchte Auslöschung der Sinti und Roma auf
Die Gedenkveranstaltung war sehr gut besucht, trotz der Dunkelheit an den Masken gut zu sehen
Im Rahmen der Abschlussrede verliest der Redner der VVN-BdA die Namen von den bis jetzt bekannten Lüneburger*innen, die in Auschwitz ermordet wurden. Es waren 51 Sinti, 23 Juden und 7 weitere Lüneburger*innen.

30.01.2021

Zur Gedenkveranstaltung für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas

Mittwoch, 13.01.2021

Riesen Nachfrage nach unserer neuen Broschüre
 
In der sehr ausführlichen Rezension der Schrift von Markus Bernhardt in der „Jungen Welt“ gehen täglich viele Bestellungen bei uns ein. In der „Jungen Welt“ heißt es unter anderem über unsere Arbeit: „Erstmals in der Bundesrepublik haben die Autoren die strafrechtliche Verfolgung von Kommunisten und Antifaschisten nach dem Strafrechtsänderungsgesetz von 1951 bis 1968 dezidiert an einem Gerichtsort untersucht. Die Lüneburger Antifaschisten haben eine Durchleuchtung des Justizpersonals, der Verfahren und der Justizopfer vorgelegt. Allein an diesem Gerichtsort wurde aus politischen Gründen eine Gesamthaftstrafe von ca. 4.000 Monaten Gefängnis verhängt.“

Deshalb auch hier noch einmal die Vorstellung des Bandes  III mit dem Titel „Kalter Bürgerkrieg in Lüneburg“ aus der Reihe „Landgericht Lüneburg als‚ Spitze der justizförmigen Kommunistenverfolgung‘ der 1950er-/1960er-Jahre“.
Kalter Bürgerkrieg in Lüneburg: Unter diesem Titel legt die Lüneburger VVN BdA ihre neue Schrift vor

Unsere Schriftenreihe über das „Landgericht Lüneburg als ‚Spitze der justizförmigen Kommunistenverfolgung‘ der 1950er-/1960er-Jahre“ schließen wir jetzt mit dem Teil III mit dem Titel „Kalter Bürgerkrieg in Lüneburg“ ab. Damit endet nach sechs Jahren Recherche und Schreibarbeit (ca. 450 Seiten) dieses bundesweit einzigartige Projekt, am Bespiel des Landgerichts Lüneburg das Personal und die Verfahren einer der politischen Strafkammern darzustellen und einer Kritik zu unterziehen.

Zu hoffen ist, dass wir damit den Anstoß zu einer Diskussion auf den verschiedenen politischen und Justiz-Ebenen gegeben haben/geben werden, die einen etwas anderen Blick auf die  Zeit der jungen Bundesrepublik wirft und vielleicht sogar zur Rehabilitierung der politischen Opfer führt.

Die Broschüre „Das Landgericht Lüneburg als ‚Spitze der justizförmigen Kommunistenverfolgung“ der 1950er/1960er Jahre“, Teil III „Kalter Bürgerkrieg in Lüneburg“ ist (wie die anderen Schriften dieser Reihe) auf Rechnung für 7,00 Euro zu erhalten unter der Bestelladresse:

vvn-bda-lueneburgätvvn-bda-lgpunktde
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Kalter Bürgerkrieg in Lüneburg
Unter diesem Titel legt die Lüneburger VVN BdA eine fünfte Schrift vor, mit der sie ihr Geschichtsprojekt „Das Landgericht Lüneburg als ‚Spitze der justi zförmigen Kommunistenverfolgung‘ der 1950er/1960er Jahre“ abschließt. Erstmals in der Bundesrepublik untersuchen die Verfasser die strafrechtliche Verfolgung antifaschistischer Bestrebungen in der unmittelbaren Nachkriegszeit nach dem Strafrechtsänderungsgesetz von 1951 bis 1968 dezidiert an einem Gerichtsort, nämlich am Beispiel der Praxis von Staatsanwaltschaft und politischer Strafkammer des Lüneburger Landgerichts.
Nach einer Vorstellung des Justizpersonals dieser Strafkammer (einschließlich der Staatsanwaltschaft ) mittels ihrer be ruflich politischen Biographien insbesondere als Nazi Juristen im Band I und der Darstellung der Verfolgungs-bemühungen der Staatsanwaltschaft sowie der Spruchpraxis des Gerichts im B and II a bis II c folgt im nun vorgelegten Band III ein Resümee.
Ein maßgeblicher Schwerpunkt der Schrift stützt sich auf bislang nicht ausgewertete Überlieferungen des Nieder-sächsischen Landesarchivs, den Sachstandsberichten der Lüneburger Staatsanwaltschaft über ihre politischen Verfahren während dieser Zeit. Diese Schriftsätze, die über das Justizministerium in Hannover dem Bundesjustizministerium in Bonn vorgelegt wurden, geben Auskunft über das Selbstverständnis der Strafverfolgungsbehörde (sowie der Ministerien), welches ein aggressiv antikommunistisches, nationalistisch völkisches, autoritär antiliberales Sta atsverständnis offenbart und ebenfalls antisemitische Züge trägt.
Die Auswertung dieser Sachstandsberichte erlaubt es nunmehr, einen detaillierten Blick in die NS affine Mentalität der Lüneburger Staatsanwaltschaft zu werfen, die auch vor einer Desavouierung von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer und Kirchenpräsident Martin Niemöller und anderen antifaschistischen Persönlichkeiten nicht Halt macht. Es wird der Umfang und die Intensität staatsanwaltschaftlicher Verfolgungsbemühungen in ihrer Zusammenarbeit mit den Behörden des Verfassungsschutzes und der Nachrichtenpolizei beschrieben, die den damaligen Saarbrücker Strafrechtsprofessor (und späteren FDP Bundesjustizminister) Maihofer zur Bemerkung veranlassten, dass sie „einem ausgewiesenen Polizeistaat alle Ehre machen.“
Eine Auflistung von Opfern der Lüneburger politischen Strafjustiz schließt den Band ab. Von den insgesamt 889An-klagefällen konnten die Namen von 486 Personen recherchiert und aufgelistet werden. Eine Addition der erlittenen Haftstrafen beträgt demnach ca. 4.000  Monate Gefängnis.
In einem Rechtstaat können die in dieser Broschürenreihe vorgelegten Arbeitsergebnisse nur eine Konsequenz haben: Die Rehabilitierung dieser Verfolgten des Kalten Bürgerkrieges und die Ent schädigung der Verurteilten. Diesen „Menschen, die um ihre Freiheit, ihren Beruf, ihre Renten, mit einem Wort um ihr Lebensglück gebracht (wurden), weil ihre politische Gesinnung nicht in die antikommunistisch ausgerichtete formierte Gesellschaft passte“ (Rechtsanwalt Heinrich Hannover) muss endlich Gerechtigkeit zuteil werden. Die Zeit eilt, wenn die wenigen noch lebenden seinerzeit Verfolgten noch ihre gesellschaftliche Anerkennung erleben sollen.