Samstag, 04.12.2021

Gedenkorte! - Geschichtsfälschung nur aus Naivität???

Gedenkort zum wundern

Gedenkort zum
grausen

Friedhof Kolkhagen

Flugplatz Faßberg

1.  Zum Friedhof Kolkhagen

  Bei Spaziergängen oder Wanderungen  in der Umgebung stößt man oft auf Gedenkstätten, die an die toten Soldaten aus dem ersten und zweiten Weltkrieg erinnern. So auch beim Friedhof des Ortes Kolkhagen bei Lüneburg.
  Der Text auf dem Gedenkstein lässt die Leser:innen jedoch verwundert den Kopf schütteln.

Dort steht:

Den Beschützern der Heimat

1914 – 1918   1939 – 1945

Gemeinde Kolkhagen

  Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass Angehörige oder auch eine ganze Dorfgemeinschaft um ihre Toten trauern. Ebenso ist die Gestaltung eines Gedenk- und Erinnerungsortes ein wichtiges Mittel immer wieder an die Gescheh-nisse zu erinnern.

Wie kann aber als Inschrift unter einem symbolisierten Eisernen Kreuz unkommentiert im Jahr 2021 stehen:

„Den Beschützern der Heimat“ ??

  Diese Zuschreibung ist eine plumpe und dreiste Geschichtslüge! Denn die in diesem Text zu „Heimatbeschützern“ hochgelobten Toten sind nicht etwa französische, britische, belgische, niederländische, polnische, sowjetische …Soldaten: diese hatten in den Weltkriegen tatsächlich ihre „Heimat beschützt“ – vor angreifenden und marodierenden deutschen Truppen. Die Gemeinde Kolkhagen meinte mit den „Heimatschützern“ aber eben die Soldaten, die von ihrer Heimat Kolkhagen aus in den Krieg zogen für „Kaiser – bzw. Führer- und Reich“ gegen die anderen Völker.

  So finden sich auf den weiteren Gedenksteinen ausschließlich Namen deutscher Herkunft. Und so schlimm es ist, diese Männer waren als Angreifer an zwei Angriffskriegen beteiligt und nicht als Beschützer ihrer Heimat.

  Nun kann man vielleicht meinen, solch ein Satz möchte doch nur etwas „Gutes“ über die toten Soldaten sagen, oder sei aus Gedankenlosigkeit entstanden – aber dies ist nicht so. Er verleugnet in seiner Aussage die Kriegsschuld Deutschlands an beiden Weltkriegen. Hier wird immer noch die nationalistische Legende von Deutschlands Unschuld am Ausbruch des 1. Weltkriegs aufgetischt. Ebenfalls für den 2. Weltkrieg bedeutet die Einordnung „Beschützer der Heimat“, dass ja „nur“ zurückgeschossen wurde: „Seit 5 Uhr 45 wird zurückgeschossen!“ (Hitler am 1. September 1939 vor dem Deutschen Reichstag) Die Gemeinde Kolkhagen hat damit in schlichter Fake-News-Manier Angreifer zu Verteidigern umdefiniert. Auch für den 2. Weltkrieg wird somit geleugnet, dass es sich um einen verbrecherischen Vernichtungs- und Angriffskrieg handelt.

2. Zum Flugplatz Faßberg

  So übel die Sinngebung der deutschen Kriege auf dem Kolkhagener Stein auch ist: Es geht noch sehr viel übler! Direkt kriegsverherrlichend kommen z.B.  die Gedenk- und Erinnerungstafeln vor dem Bundeswehrflugplatz in Faßberg daher. Es ist kaum zu fassen, was am Ort des früheren Fliegerhorsts der Reichswehr-Luftwaffe auch 2021 noch zu lesen ist:

„Vom Horst[1] herüber schallten die Propeller ihren jauchzenden Ton. Die Stukas [2] pfiffen das hohe C und die abgeworfenen Bomben, da ganz hinten, machten den Baß. Dieses Konzert gehörte zu Faßberg wie das Brüllen der Kühe auf einem großen Bauernhof.“

  Ganz im Stil nationalsozialistischer Kriegspropaganda verherrlicht diese Tafel die beginnende Vernichtungsmaschinerie der Nazis. Vollkommen unkommentiert steht dieser Text am Eingang zu dem heutigen Bundeswehrflugplatz. Da wundert man sich fast, dass nicht auch noch das Nazi -„Stukalied“ mit auf der Tafel steht.[3]

[1] Fliegerhorst  

[2] Sturzkampfbomber; https://de.wikipedia.org/wiki/Sturzkampfflugzeug

[3] Das Lied verherrlicht u.a. Flächenbombardements

  Auch der Text, der die Entstehung des Ortes Faßberg beschreibt, erwähnt mit keinem Wort, dass Faßberg ausschließlich für den geplanten Zweiten Weltkrieg errichtet wurde.

Unter der Überschrift

„Die echten Faßberger sind doch wir Prenzlauer, die von der Fliegerschule.“
Die neuen Siedler aus der Kampffliegerschule Prenzlau seit 1937

steht lapidar, Ende 1933 (!!) sei ein Herr gekommen, der sehr viel Land von den ansässigen Bauern kaufen wollte. Auch hier keinerlei Hinweis, dass es sich bei dieser Landkauf-Aktion schon um eine Vorbereitung des 2. Weltkrieges handelte.

  Naiv-harmlos kommt ebenfalls der Text zu den Arbeitern daher, die Faßberg erbauten, z.B. mit der Wendung „…, denn unter den Bauarbeitern waren ziemliche ´Rabauken`, …“ Nicht der geringste Hinweis, klärt darüber auf, dass beim Bau des Flugplatzes, wohl auch des Ortes, ebenfalls Zwangsarbeiter:innen und Menschen aus Konzentrationslagern eingesetzt wurden 1.

  Zu erinnern ist in diesem Zusammenhang auch an den Skandal um die sogenannte Hitlerglocke in Faßbergs Michaelkirche. Als 2017 publik gemacht wurde, dass in Faßberg immer noch eine Glocke mit Hakenkreuz zu Ehren Hitlers läutet, haben die Faßberger:innen zwei Jahr gebraucht, dieses Nazirelikt zu entfernen.

  Hoffentlich geht es wesentlich schneller, dass sich die Menschen in Faßberg ernsthaft mit den Texttafeln befassen und deren Geschichtsklitterung beseitigen? Vielleicht kann ja die „Geschichtswerkstatt Gemeinde Faßberg“ solch ein Vorhaben voranbringen?

1 Siehe: Matthias Blazek; Die geheime Großbaustelle in der Heide Faßberg und sein Fliegerhorst 1933–2013;
ISBN 978-3-8382-0480-2

Standort der Tafeln links neben der Einfahrt zum Flugplatz

Peter Gunkel

Montag 29.11.2021

… irgendwo nicht weit von Moskau …

Feier der VVN-BdA-Lüneburg Volkstrauertag

Erinnern an Wolfgang Mirosch

Widerstand in Lüneburg:Franz Holländer

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Wolfgang_Mirosch_Portraet
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Gerd A. Meyer berichtete über die Suche nach sei-nem Vater, einem sowje-tischen Kriegsgefangen-en in Niedersachsen

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Veranstaltung als Film ansehen

Bewegende Feier der VVN-Lüneburg auf dem Ehrenfriedhof für die Opfer der KZ-Häftlings-transporte 1945

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Über Wolfgang Mirosch und seine Mutter berich-tet unser Buch: Wolfgang Mirosch und seine Mutter Katharina Czaja

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  Im öffentlichen Raum Lüneburgs gibt es kaum Hinweise auf Lünebur-ger:innen, die sich  dem NS-Regime entgegen-stellten
          
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pg

Sonntag, 31.10.2021

Neue Schrift der VVN Lüneburg jetzt verfügbar

Lüneburger:innen im Widerstand

Erneut veröffentlicht die VVN-BdA-Lüneburg eine Schrift zur üblen Rolle der Lüneburger Justiz während des Naziregimes

Franz Holländer

 
Eine neue Veröffentlichung über die unheilvolle Rolle der Lüneburger Justiz während des NS-Regimes legt die VVN-BdA Lüneburg vor. Unter dem Titel „‘Der Angeklagte ist danach überführt, mit einer Volljüdin geschlechtlich verkehrt zu haben.‘ Zum „Rassenschande“-Prozess des Landgerichts Lüne-burg gegen Heinrich Kistner. Opfer und Täter“ schildert sie die tragische Geschichte der Familie Salo-mon/Kistner und berichtet über die Tätergemeinschaft der Lüneburger Justiz.

  Als die 30-jährige Ruth Salomon am Dienstag, den 10. Oktober 1939 am Vormittag gegen 10.00 Uhr die Schalterhalle des Lüneburger Postamts am Marienplatz betrat, ging sie ihre letzten Schritte in Freiheit. Ruths weitere Lebensstationen: Gefangennahme, Haft im Strafgefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel bis 1941, anschließend Konzentrationslager Ravensbrück. Dort wurde sie im März 1942 ermordet. Auch ihr gleichaltriger Lebenspartner, Heinrich Kistner, wurde auf Anordnung der Lüneburger Polizei an diesem 10.10.1939 verhaftet. Die gemeinsamen Kinder Maria und Heinz, drei und fünf Jahre alt, wurden in ein Kinderheim verbracht und einem Jugendamt deren Vormundschaft übertragen. Heinrich sperrte die NS-Justiz in zahlreiche Gefängnisse, Justiz-Gefangenenlager und Zuchthäuser. Als er am 15.11.1943 aus dem Zuchthaus Siegburg entlassen wurde, war der früher körperlich gesunde Mann stark abgemagert, hatte durch die Haft zahlreiche Körperschäden davongetragen und war ein völlig gebrochener Mensch.

 

 

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  Im öffentlichen Raum Lüneburgs sind wenig bis gar keine Hinweise auf Lüneburgerinnen und Lüneburger zu finden, die sich seinerzeit dem NS-Regime auf unterschiedlichste Weise entgegenstellten. Denkmäler, die kriegsverherrlichend sind oder die sogar an Kriegsverbrechen federführend beteiligte Nazi-Wehrmachtseinheiten heroisieren, sind überall in der Stadt präsent.

  Erinnerungen an Lüneburger:innen, die sich der Nazidiktatur in der Gauhauptstadt Lüneburg widersetzten sind kaum zu finden. Wir wollen beginnen, diesen Menschen zumindest auf unserer Internetseite ein Gesicht zu geben und ein Andenken zu setzen.

Ein Porträt Franz Holländers soll hier den Anfang machen.

  Franz Holländer wurde am 13.1.1904 in Hörde (Dortmund) geboren und wuchs als Sohn eines Bergarbeiters (Steiger) mit seinen Geschwistern in einfachen Verhältnissen in einer dortigen Bergarbeitersiedlung auf. Seine Mutter starb, als Franz sieben Jahre alt war. Nach der achtjährigen Volksschule besuchte er eine Gewerbliche Fortbildungsschule für ungelernte Arbeiter, arbeitete im Stahlwerk „Hörder Hütte“ und besuchte an der Dortmunder Volkshochschule Kurse in Geschichte und politischer Ökonomie.
  Gemeinsam mit einigen seiner Brüder schloss er sich der „Wandervogel-Bewegung an“, dem Zweig der „Wanderscharen, Landfahrer und Freie Proletarischen Jugend“. 1923 lernten sie bei einem Treffen auf dem „Hohen Meisner“ Karl-August Wittfogel kennen, der dort über die politische Ökonomie vortrug. „Damit begann für sie die Entwicklung zu Kommunisten.“

Das vollständige Porträt Franz Holländers lesen

Sonntag, 12.09.2021

Friedenspolitische Radtour des DGB

Anlässlich des Antikriegstags lud der DGB Region Nord-Ost Niedersachsen am Sonntag 5. September zu einer friedens-politischen Radtour ein, um für Frieden und Abrüstung einzutreten.

 

Annähernd 15 Kollegen und eine Kollegin starteten um 10 Uhr bei sonnigem Wetter – gut gelaunt und mit dem Symbol der Friedenstaube versehenen Schutzwesten ausgestattet – zur ersten Station Richtung Leuphana Universität.

 

Am Hauptportal der ehem. Scharnhorst-Kaserne informierte unser Mitglied PeterR über die Geschichte der von den Nazis dort erbauten Kaserne als Bestand-teil der Militarisierung und Kriegsvorbereitung Deutschlands. Kenntnisreich informierte er über die Vorbereitung und die Beteiligung der dort ausgebildeten Soldaten für den 2. Weltkrieg insbesondere über den Angriffs – und Vernichtungskrieg gegen die Sowjet-union.

 

Weiter fuhren wir dann zur Möllering Villa ( ehemalige psychiatrische Klinik Häcklingen). In dieser Villa hatten die Briten am Ende des 2. Weltkrieges kurz vor der bevorstehenden Kapitulation Nazideutschlands ihre Kommandantur untergebracht. Zwei Gewerkschafts-kollegen informierten über die Geschichte dieses Gebäudes und die näheren Umstände der deutschen Teil-Kapitulation.

Durchs Ilmenautal radelten wir nach Deutsch Evern und von dort Richtung Wendisch Evern zum Gedenkstein am Timelo Berg.
Dort und am Parkplatz an der Landstraße zwischen Deutsch und Wendisch Evern gibt es bereits seit wenigen Jahren Informationstafeln zu den historischen Ereignissen.
Ein Gewerkschaftskollege informierte an der Tafel am Parkplatz noch detaillierter über die Präsenz des britischen Befehlshabers Montgomery an diesem Ort und die dort erfolgte bedingungslose Kapitulation Deutschlands für Nordwestdeutschland.

Foto Zeitloslauf 2021



Besondere Erwähnung fand die jährlich Anfang Mai unter der Schirmherrschaft der Gemeinde Wendisch Evern von der Gruppe ZeitlosLauf organisierte Jogging und Walking Aktion -ZeitlosLauf.

Nach einer kurzen Pause am Gedenkstein fuhren wir weiter zur letzten Station – dem KZ-Ehrenfriedhof im Tiergarten. Dort informierte unser Mitglied Sigi B. über die Ereignisse Anfang April 1945 am Lüneburger Güterbahnhof. Er berichtete über das Schicksal der KZ-Häftlinge, über die Verbrechen der Marinesoldaten und ihre Unterstützung durch Vertreter der damaligen Nazi-Stadtverwaltung.
Interessant und informativ waren auch die Aus-führungen über die in Lüneburg wieder zu Amt und Würden gelangten ehemaligen Nazis und ihre Maßnahmen um den Ehrenfriedhof für die Ermordeten KZ- Gefangenen dem Vergessen preiszugeben.

Foto Volkstrauertag 2020

 

 

Gut eine Stunde später als geplant und nach gefahren-en mehr als 22 km Fahrt trafen wir wieder im DGB – Hof ein.

 
 

Bierzeltgarnitur, Erfrischungsgetränke, Grill mit Grillwürstchen ( vegan oder bio ) waren schnell im DGB-Hof aufge-baut und in Betrieb genommen. So konnte abschließend diese friedenspolitische Radtour von mehreren Teilneh-menden als rundum gelungen gewürdigt werden.

                                                                                                                                                                                                   fk/pg

Montag, 06.09.2021

Welch ein Unterschied

Krieg

und

Frieden

Lüneburg Marktplatz 30.08.2021

Lüneburg Marktplatz 04.09.2021

Für die "passende" Musik aufs Bild klicken
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Samstag 04.09.2021

Antikriegstag 2021 in Lüneburg

Friedensfest zum Antikriegstag Lüneburg 2021

Samstag den 04. September um 18 Uhr – Auf dem Lüneburger Marktplatz
Am Marktplatz erwarten euch Reden, Kulturbeiträge sowie Infostände.

Der 20-jährige NATO Krieg in Afghanistan mahnt uns Konsequenzen zu ziehen. Nie wieder!

Aufruf des Friedensbündnisses Lüneburg
   Im September 1939 überfiel die deutsche Wehrmacht Polen und begann damit einen Krieg, der über 65 Millionen Menschen das Leben kostete. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs wird dieses Datum in der Bundesrepublik daher als Antikriegstag begangen, um für Frieden und Menschenrechte zu wirken. Wir wollen uns diesem bundesweiten Wirken anschließen und die Lehren aus der Geschichte ziehen – Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

   Diese Lehren einzulösen, bleibt auch heute noch unsere Aufgabe. Schluss mit Aufrüstung, Kriegseinsätzen, Rüstungsforschung und Waffenexporten – Nein zur NATO und allen Auslandeseinsätzen! Wir kämpfen für ein Wiederaufleben des Völker- und Menschenrechts, für solidarische Entwicklungszusammenarbeit sowie für den Ausbau der WHO. Wir wollen Abrüstung, den Abzug aller Atomwaffen und den Beitritt der Bundesrepublik zum Atomwaffenverbotsvertrag der UN. Das Recht auf Asyl gehört wiederhergestellt und Rassismus raus aus den Köpfen! Denn es ist nötig: 76 Jahre nach dem Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki erreicht der nukleare Wettlauf um „Abschreckung“ menschheitsbedrohliche Ausmaße. Die deutsche Bundesregierung weigert sich, das UN – Verbot von Atomwaffen zu unterzeichnen. Die globalen Rüstungsausgaben belaufen sich inzwischen auf 2 Billionen US-Dollar. Deutschland ist bei den Ländern mit den meisten Rüstungsausgaben auf den siebten Platz vorgerückt und viertgrößter Rüstungsexporteur weltweit. Mit ihrer Außen-, Handels- und Abschottungspolitik, insbesondere durch Frontex, macht die Bundesregierung sich mit zur Ursache von Verelendung, Vertreibung und dem Massensterben im Mittelmeer. Statt humanitärer Hilfe soll die NATO-Zielvorgabe erfüllt werden, d.h. eine weitere Erhöhung des Wehretats um mehr als 20 Milliarden Euro. Die Corona-Krise offenbart, wie verantwortungslos diese Geldverschwendung ist. Dabei sind insbesondere im globalen Süden große Bevölkerungsteile immer noch schutzlos dem Virus ausgesetzt. Statt mit Geld und Ressourcen einen gefährlicheren Rüstungswettbewerb anzufeuern, braucht es den weltweiten Ausbau der Gesundheits- und Sozialsysteme sowie den sozial-ökologischen Umbau unserer Gesellschaft.

   Ohne Frieden und internationale Kooperation ist keine Krise der Welt lösbar – weder Hungersnot, Pandemien, Klimazerstörung oder aber die weltweite Vertreibung von Menschen. Deshalb rufen wir mit der weltweiten Friedensbewegung, als Gewerkschaften, Studierendenschaften, Verbänden, Parteien und Initiativen dazu auf, gemeinsam für Frieden auf die Straße zu gehen.

   „Ihr habt keine Schuld an dieser Zeit. Aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts über diese Zeit wissen wollt. Ihr müsst alles wissen, was damals geschah. Und warum es geschah.“

Esther Bejarano
Antifaschistin, Künstlerin und Überlebende von Auschwitz
(15. Dez. 1924 – 10. Juli 2021)

Veranstaltende:
– Friedensbündnis Lüneburg
– Netzwerk gegen Rechts Lüneburg
– Seebrücke Lüneburg
– VNN-BdA Kreisvereinigung Lüneburg
– SJD – Die Falken, Unterbezirk Nordniedersachsen
– Antifaschistische Aktion Lüneburg / Uelzen
– Klimakollektiv Lüneburg
– Mosaique – Haus der Kulturen
– alltagskultur e.V.
– AStA – Universität Lüneburg
– DIE LINKE Kreisverband Lüneburg
– dielinke.SDS Hochschulgruppe Lüneburg

                                                                                                                                                                                                      pg

Montag, 30.08.2021

Rekruten-Vereidigung auf dem Marktplatz: Werbeveranstaltung für Kriegsbeteiligung!

   Wer die Notwendigkeit antimilitaristischen Engagements wieder einmal hautnah spüren wollte, der oder die ging am 26. August auf den Lüneburger Marktplatz zur öffentlichen Rekrutenvereidigung. Dort bot die Bundeswehr alles auf, was bei Liebhaber*innen von Militärgerät und Waffen, Uniformen und Fahnen, Kommandogebrüll und Marschmusik, Gleichschritt und Zackigkeit, usw. usf. die Herzen höherschlagen ließ.

   Trotzdem dürfte die Stimmung der Veranstaltenden nicht ungetrübt gewesen sein: Dafür sorgten zum einen Friedensdemonstrant*innen, die dem Militaristen-Spektakel widersprachen und z.B. laut „Frieden schaffen ohne Waffen!“ forderten. Damit störten sie auch die Erzählung von der „traditionellen Verbundenheit aller Lüneburger*innen mit ihren Soldat*innen“, die auch OB Ulrich Mädge wieder einmal vortrug. Und tatsächlich wurde dann auch wieder die Legende vom Soldaten als Freund und Helfer beschworen: In Afghanistan als Brunnenbauer, Frauenbefreier und Schulbildung-Ermöglicher, in der Heimat als Retter bei Hochwasser- und anderen Naturkatastrophen sowie im Anti-Corona-Einsatz.

   Die Stimmung auf dem Marktplatz war aber auch dadurch beeinträchtigt, dass Stadtverwaltung und Bundeswehr-Spitze einen ungünstigen Zeitpunkt erwischt hatten: Das laute Tamtam konnte nämlich nicht die Tatsache überdecken, dass (auch) die Bundeswehr den 20jährigen Krieg in Afghanistan gerade krachend verloren hat – und das gegen Gegner, die man gern abfällig als „Moped-Bande“ oder „Sandalen-Krieger“ tituliert. Vor ihnen kapitulieren zu müssen, ist nicht gut fürs Selbstbewusstsein!

   Die Frage nach dem „Warum diese Niederlage?“ bzw. „War dieser Krieg mit tausenden toten Afghanen und (auch) vielen toten Soldaten der Besatzungstruppen richtig?“ wurde in den Ansprachen auf dem Marktplatz nur zu gern umgangen. Stattdessen wollte man trotzig vermitteln: „Unsere Soldat*innen waren die Guten! Sie haben für unsere Werte gekämpft und ihr Leben eingesetzt für Recht und Freiheit!“

   Dass deutsche Truppen sich auch in Zukunft überall auf der Welt unbedingt weiter einmischen sollen, das war denn auch die eigentliche Botschaft des ganzen Vereidigungs-Zirkus. Wir müssen uns sehr anstrengen, wenn das nicht so kommen soll!

                                                                                                                                                                                                      pr

Das Trauerspiel von Afghanistan

Theodor Fontane 1857 – Nina Hagen 2001

Theodor Fontane 1857 – Nina Hagen 2001 (Beim Abspielen des Videos gelten die Datenschutzbestimmungen von Youtube)

Der Schnee leis stäubend vom Himmel fällt,
Ein Reiter vor Dschellalabad hält.
„Wer da!“ – „Ein britischer Reitersmann,
Bringe Botschaft aus Afghanistan.“

„Afghanistan!“ er sprach es so matt;
Es umdrängt den Reiter die halbe Stadt,
Sir Robert Sale, der Kommandant,
Hebt ihn vom Rosse mit eigener Hand.

Sie führen ins steinerne Wachthaus ihn,
Sie setzen ihn nieder an den Kamin,
Wie wärmt ihn das Feuer, wie labt ihn das Licht,
Er atmet hoch auf und dankt und spricht:

„Wir waren dreizehntausend Mann,
Von Kabul unser Zug begann,
Soldaten, Führer, Weib und Kind
Erstarrt, erschlagen, verraten sind.

Zersprengt ist unser ganzes Heer,
Was lebt, irrt draußen in Nacht umher,
Mir hat ein Gott die Rettung gegönnt,
Seht zu, ob den Rest ihr retten könnt.“

Sir Robert stieg auf den Festungswall,
Offiziere, Soldaten folgten ihm all,
Sir Robert sprach: „Der Schnee fällt dicht,
Die uns suchen, sie können uns finden nicht.

Sie irren wie Blinde und sind uns so nah,
So laßt sie’s hören, daß wir da,
Stimmt an ein Lied von Heimat und Haus,
Trompeter, blast in die Nacht hinaus!“

Da huben sie an und sie wurden’s nicht müd‘,
Durch die Nacht hin klang es Lied um Lied,
Erst englische Lieder mit fröhlichem Klang,
Dann Hochlandslieder wie Klagegesang.

Sie bliesen die Nacht und über den Tag,
Laut, wie nur die Liebe rufen mag,
Sie bliesen – es kam die zweite Nacht,
Umsonst, daß ihr ruft, umsonst, daß ihr wacht.

Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
Einer kam heim aus Afghanistan.

Mittwoch, 18.08.2021

Montag, 16.08.2021

Antikriegstag 2021 in Lüneburg

Friedensfest

Am 04. September um 18 Uhr, auf dem Marktplatz in Lüneburg

                                                                                                                                                                                                      pg

Dienstag, 03.08.2021

                                                                                                                                                                                                      pg

Freitag, 23.07.2021

Rolf Becker verabschiedet sich von Esther Bejarano

Liebe Edna, lieber Joram, liebe Familie,
liebe Freundinnen und Freunde vom Auschwitz-Komitee und von der VVN-BdA,
liebe mit uns Abschiednehmende –  
                                 Hier die ganze Rede von Rolf Becker lesen

Montag, 19.07.2021

Bewegende Trauerfeier auf dem jüdischen Friedhof in Ohlsdorf

Mehrere hundert Menschen erwiesen Esther Bejarano die letzte Ehre

„Esther hätte es gefreut, wenn möglichst viele Leute ihr das Geleit geben.“ Mit diesen Worten hatte das Auschwitz-Komitee gemeinsam mit den Kindern und Freund*innen der Verstorbenen zur Trauerfeier für Esther Bejarano eingeladen. Das entsprach offenbar auch dem Bedürfnis von sehr vielen Menschen, die sich am 18. Juli auf und vor dem Jüdischen Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf versammelten.

Vor dem aufgebahrten Sarg in der Friedhofskapelle ehrte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher Esther Bejarano als große Bürgerin Hamburgs. Dass Esther sich nach allem, was ihr im Land der Täter widerfahren war, Hamburg als Wohnort ausgewählt habe, bezeichnete er als „großes Geschenk für die Stadt.“ Tschentscher würdigte Esthers Engagement, mit dem sie „wichtige Impulse gegeben hat für Demokratie, Erinnerungskultur und Gleichberechtigung in Deutschland.“ Im Namen des Senats versicherte er, Esthers Andenken würdigen und sich dafür einsetzen zu wollen, „ihre Botschaft weiterzutragen“.

Esthers Sohn Joram Bejarano sagte: „Dein Lachen, dein Mut, deine Entschlossenheit, deine liebevolle Art, dein Verständnis, dein kämpferisches Herz – alles, alles wird fehlen!“

Die Hauptrede hielt der bekannte Schauspieler Rolf Becker, den eine tiefe Freundschaft mit Esther verbindet und den Esther gern als ihren „kleinen Bruder“ bezeichnet hat. Er zitierte die von Esther „an mich und an uns alle gerichtete testamentarisch verfügte“ Aufforderung: „Nie mehr schweigen, wenn Unrecht geschieht. Seid solidarisch! Helft einander! Achtet auf die Schwächsten! Bleibt mutig! Ich vertraue auf die Jugend, ich vertraue auf euch! Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!

Für Rolf Becker war Esther eine „Kommunistin“, ebenso wie ihr verstorbener Mann Nissin Bejarano „beide Kommunisten, nicht als Parteigänger, sondern im Sinne von Heinrich Heine“, mit dessen Zitat der Redner seine Ansprache begonnen hatte.

Rolf Becker nannte dann Beispiele dafür, wie Esther „Geschwisterlichkeit im weitesten Sinne“ mit ihrem umfassenden Engagement für alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens vorgelebt hat: Ihr öffentlicher Aufruf gegen das Abschieben von Roma nach Serbien und Kosovo  („Sie sind wie wir in Auschwitz und anderen Lagern als unwürdig zu leben vernichtet worden!“); ihr Verurteilen des Senatsbeschlusses unter Olaf Scholz, die Flüchtlingsgruppe „Lampedusa“ in Hamburg nicht aufzunehmen („Wir können doch nicht heute immer noch Menschen wie Tiere behandeln!“); ihr Aufruf im Mai 2020 anlässlich der Corona-Krise, alle Menschen ärztlich zu versorgen, und z.B. im reichen Hamburg leerstehende Hotels für Obdachlose zu öffnen; ihr Unterstützungs-Schreiben an die Familien Arslan und Yilmaz, die Opfer von Nazi-Brandanschlägen wurden („Um es klar auszusprechen: Ohne das Wegschauen und Decken von Nazismus und Rassismus nach 1945 hätte es das Oktoberfest-Attentat, die Pogrome in Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda, Solingen und Mölln und den NSU nicht geben können…Nazis wurden und werden in diesem Land direkt oder indirekt durch politische Kampagnen und das Schweigen und Wegschauen ermutigt, weiter Hass und Leid zu verbreiten“).

Nie mehr zu schweigen, wenn Unrecht geschieht: das bezog Esther auch auf die Vertreibung und Ausgrenzung der Palästinenser durch den modernen zionistischen Staat Israel, der seit nunmehr 50 Jahren ein brutales Besatzungsregime unterhält. In diesem Zusammenhang benannte Rolf Becker eine „mehr als fragwürdige Israel-Solidarität“, die sich immer aggressiver gegen kritische Juden richte. In einem gemeinsamen Solidaritäts-Brief an Moshe Zuckermann hatten Esther und Rolf geschrieben: “Wer meint, den Antisemitismus bekämpfen zu wollen, der vermeide es vor allem, Israel, Judentum und Zionismus – mithin Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik wahllos in seinen deutschen Eintopf zu werfen um es je nach Lage opportunistisch zu verkochen und demagogisch einzusetzen.

Rolf Becker verlas dann den Abschiedsgruß von Moshe Zuckermann aus Tel Aviv, der sich darin „zutiefst berührt von Esthers unerschütterlicher Lebensbejahung“ zeigte und „die große Leidenschaft ihrer schöpferischen Energie“ bewunderte. Esther verkörpere geradezu symbolhaft „die Möglichkeit, persönliches Lebensleid in freiheitliche Hingabe zu übersetzen, tiefe Humanität in politische Praxis umzusetzen.“

Nach Rolf Becker leitete den Schluss seiner Rede mit der Feststellung ein, „viel, viel bliebe nachzutragen. Wir werden uns in Hinblick auf die von Esther an uns weitergereichten Aufgaben darüber in Esthers Sinne austauschen müssen.

Unter Tränen drückte er abschließend seine Trauer aus, „Trauer über den Tod meiner großen Schwester, zugleich tief empfundene Dankbarkeit dafür, was sie mir und uns war und bleibt.“ Dazu nannte Rolf Becker das spanische Wort „presente!, wie es auf Kuba heißt, wo Esther 2017 auf ihrer letzten großen Reise Solidaritätskonzerte gegen den seit 60 Jahren dauernden Boykott des Landes durch die USA gab.“  Esthers „kleiner Bruder“ Rolf Becker schloss seine ergreifende Ansprache dann mit den Worten: „Presente, Esther, du bist und bleibst anwesend, du bleibst bei uns. In Liebe, dein kleiner Bruder!“

Nach Rolf Becker sprachen noch Esthers Hamburger Freundin und Holocaust-Überlebende Peggy Parnass, Kutlu Yurtseven, Freund und Mitglied von „Microphone Mafia“ – der Band, mit der Esther u.a. auch in Lüneburg und Adendorf aufgetreten war, und der Landesrabbiner der Hamburger jüdischen Gemeinde Shlomo Bistritzky.

In einem langen Zug von Trauernden begleiteten Esthers Familie, Freundinnen und Freunde den Sarg auf dem Friedhof zur Grabstelle. Dort sprach Esthers Sohn Joram das jüdische Totengebet Kaddisch. Esther ruht jetzt neben ihrem schon 1999 verstorbenen Ehemann Nissin auf dem jüdischen Friedhof in Hamburg Ohlsdorf.

Peter Raykowski

                                                                                                                                                                                                     pg

Dienstag, 20.07.2021

Viele Veranstaltungen unterstützte Esther Bejarano in Lüneburg

Deshalb haben Lüneburger Antifaschist*innen  ihr viel zu verdanken.

An dieser Stelle haben wir unsere Erinnerungen an die Zeiten mit Esther Bejarano in Lüneburg zusammengetragen, zur Lüneburger Erinnerungsseite :

Esther Bejarano nach einem Gespräch mit Schüler*innen der damaligen Hauptschule Kaltenmoor in Lüneburg

                                                                                                                                                                                                       pg

Montag, 15.06.2021

22. Juni 1941 Deutschlands Überfall auf die Sowjetunion

Wie Lüneburg sich an dem Vernichtungskrieg
beteiligte

Veranstaltung zu einem denkwürdigen Jahrestag!
Wann: 22. Juni 2021, 19.00 h
Wo: Museum Lüneburg, Marcus-Heinemann-Saal

In dieser Veranstaltung zum 80. Jahrestag wollen wir der Frage der Lüneburger Beteiligung und Verantwortung nachgehen. Auf eine kurze Darstellung der sog. „verbrecherischen Befehle“ folgen Einzelvorträge zur Beteiligung Lüneburger Wehrmachts-Truppen (22. ID [47. IR/ 22. AR],  110. ID), zur Existenz und Behandlung sowjetischer Zwangsarbeiter*innen in Lüneburg und zur Geschichte des „Russenfriedhofes“ bei Reppenstedt. 

Ein verbrecherischer Angriffskrieg

Schon lange vor dem eigentlichen Angriff auf die Sowjetunion war dem Oberkommando der Wehrmacht, somit der Generalität bekannt, dass es sich bei diesem Angriff nicht um einen Krieg im herkömmlichen Sinn (Eroberung des Staatsgebietes/Macht-übernahme) ginge. Das Ziel war die vollständige Vernichtung des sow-jetischen Staates, seiner Einwohner durch die massenhafte Ermordung der Bevölkerung und durch die Zerstörung der Lebensgrundlage. Im Dezember 1940 begann die Wehrmachtsführung diesen Vernichtungs-krieg, das „Unternehmen Barbarossa“ konkret vorzubereiten. Das schreck-liche Ergebnis:

Mehr als 25 000 000 Tote auf russischer Seite.

Lüneburger Einheiten

Ab Juni 1941 beteiligten sich auch Militäreinheiten aus den vier Lüneburger Kasernen am Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, wie z.B. das 47. Infanterieregiment (Teil der 22. Infanteriedivision) im südlichen- und die 110. ID. im mittleren Angriffsgebiet. Für beide Einsatzräume (v.a. Ukraine, Belarus) sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit nachgewiesen. Wir beleuchten diesen Aspekt der Kriegs-führung „gegen den bolschewistischen Todfeind“ und schildern, wie dreist Veteranen dieser Truppen nach 1945, mit kräftiger Unterstützung der Stadtgesell-schaft, die historischen Tatsachen ver-drehten und an der Legende von der „sauberen“ Wehrmacht strickten.

Der „Russenfriedhof“ bei Reppenstedt

So unvorstellbar die vielen namenlosen Millionen Toten sind, so kennen wir den Namen des sowjet-ischen Kriegsgefangenen Michail Rygalow. Mit etwa 50 russischen Kriegsgefan-genen wurde er zwischen dem Landgasthof Böhms-holz und Reppenstedt verscharrt. In den fünfziger Jahren wurden die namentlich bekannten Toten nach Munster überführt und dort anonym in einem Massengrab beerdigt.

„Schlechter ging es den Russen.  Die meisten suchten in den Mülltonnen nach, ob noch etwas Essbares darin war.“ 
So der Sozialdemokrat Karl Marquardt zur Situation der   sowjetischen Zwangsarbeitenden in Lüneburg           
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Im Zuge ihres Konzepts zur Gewinnung von „Lebensraum im Osten“ setzten die Deutschen in der Sowjetunion ihre Planung um, die Gebiete wirtschaftlich zu ruinieren und die Bevölkerung auszuhungern, zu vertreiben oder in Zwangs-arbeit zu bringen. Über Gestellungsbefehle und Razzien wurden die Menschen gezwungen, die weite Reise in geschlossenen Güterwaggons nach Lüneburg durchzustehen, wo sie am Bahnhof von den Arbeitgebern ausgesucht und abgeholt wurden. Fast alle Lüneburger Hand-werker, Händler und Gastronomen profitierten von der Ausbeutung ihrer Arbeitskraft. 17 Lager wurden im Stadtbezirk überwiegend auf Betriebsgelände eingerichtet, manche auch direkt als „Russenbaracke“ deklariert, um die Zwangsarbeitenden als Arbeitsgefangene der Firma zu halten.

Noch schlimmer erging es den sowjetischen Kriegsgefangenen. Innerhalb weniger Monate starben zwei Millionen der bis Ende 1941 gefangengesetzten 3,35 Mio Soldaten der SU an Auszehrung infolge ungenügender Essens-rationen, mangelnder medizinischer Betreuung und fehlenden Schutzes vor Hitze und Kälte, bis zum Kriegsende noch weitere 1,3 Mio sowjetische Kriegsgefangene. Alleine in den drei Kriegsgefangenenlagern des Regierungs-bezirks Lüneburg Bergen-Oerbke, Bergen-Belsen und Wietzendorf starben ca. 47.000 sowjetische Kriegsgefangene.

Flyer Seite 1
Flyer Seite 2

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Freitag, 11.06.2021

Plakataktion in Lüneburg

Mit einer Plakataktion wird seit gestern in Lüneburgs Innenstadt auf das Datum 22. Juni 1941 aufmerksam gemacht. Eine Erinnerung an einen, der der vor 80 Jahren die Welt veränderte.

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Dienstag, 11.05.2021

Neues Buch der VVN-BdA- Lüneburg

Wolfgang Mirosch und seine Mutter Katharina Czaja

Die Geschichte eines Adendorfer Kindes und einer Lüneburgerin im Nationalsozialismus

Das aktuelle Buch schildert das Schicksal der Lüneburger Sinti und Roma während der Herrschaft des Nationalsozialismus am Beispiel des Grundschülers Wolfgang Mirosch und seiner Mutter Katharina Czaja. Auf Grundlage neuester Forschungen, unter anderem in den verschiedensten Archiven zeichnet Peter Raykowski auf akribische Art das kurze Leben von Wolfgang Mirosch und seiner Mutter Katharina Czaja nach. Schon fällt als erstes auf: Warum trägt Wolfgang einen anderen Nachnamen als seine Mutter? Ein Frage von vielen, die in dem Buch beantwortet werden.
   Wir wünschen dem Buch eine große Verbreitung und freuen uns über Rückmeldungen. Besonders weisen wir darauf hin, dass die Darstellung mit ihren einfühlsamen Texten sowie zahlreichen Abbildungen besonders für die Bildungsarbeit auch mit jungen Menschen gedacht und geeignet ist.  Auf Wunsch können wir dafür auch Lesungen anbieten.

Zum Vorwort der Schrift

Zum Inhaltsverzeichnis

Das Buch ist für 15€ / (Solidaritätspreis 17€)  hier zu erhalten

–       Im Shop des Museums Lüneburg

 –      Buchhandlung Adendorf, Kirchweg 72

 –      Avenir Laden & Café, Katzenstraße 2 (Im Heinrich-Böll-Haus), 21335 Lüneburg

–      Buchhandlung, Häcklingen, Alter Hessenweg 6

–      Buchhandlung Hohmann Bleckede, Friedrich-Kücken-Str. 1, 21354 Bleckede

oder für 15€ / (Solidaritätspreis 17€); zzgl. 3 € Versandkosten auf dem Postweg – Bestellung über vvn-bda-lueneburgätvvn-bda-lg.de

ISBN 978-3-00-068686-3

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Freitag, 07.05.2021

Das Lüneburger Netzwerk gegen Rechts ruft auf

Zum 76. Jahrestag der Befreiung

8. Mai 1945 – 8. Mai 2021
76. Jahrestag der Befreiung
   Wir rufen dazu auf, am 8. Mai 2020 am Mahnmal für die Opfer des Faschismus Blumen niederzulegen und Erklärungen unter dem Motto „Der 8. Mai ist für mich ein Feiertag, weil…“ abzugeben und zu hinterlassen. Alle Beiträge werden gesammelt und später veröffentlicht und dienen auch zur Unterstützung der Petition von Ester Bejarano.
Am 8. Mai 1945 wurde nahezu ganz Europa von Faschismus und Krieg befreit. In Deutschland erlebten in erster Linie die überlebenden Verfolgten, die Tausenden, die noch in den KZ´s eingesperrt waren und Wider-standskämpfer*innen diesen Tag als Befreiung. Aber auch wir alle, die wir heute leben, verdanken die Chance eines Lebens in Frieden, Freiheit und Vielfalt den Menschen, die den Faschismus bekämpften und NaziDeutschland besiegten. Die alliiertenStreitkräfte sind und bleiben auch unsere Befreier*innen. Mit besonderer Dankbarkeit erinnern wir an den Beitrag, den der antifaschistische Widerstand in Deutschland, in der Emigration, als Teil von Partisan*innenverbänden und in den Streitkräften der Antihitlerkoalition geleistet hat.
   Am 18. April 1945 besetzten britische Truppen Lüneburg und beendeten die 12-jährige Herrschaft der Nazis. Am 4. Mai 1945 kapitulierten auf demTimeloberg nahe Deutsch-Evern die deutschen Truppen in Nordwest-deutschland. Noch wenige Tage vor der Befreiung Lüneburgs mussten hier über 250 Häftlinge eines KZ-Transports sterben. Sie starben bei einem Luftangriff oder wurden von der Wachmannschaft erschossen. Allein am 11. April 1945 wurden 60 bis 80 Häftlinge in der Nähe des Bahnhofs ermordet.
   Der 8. Mai gilt als Tag der Befreiung. Doch während der Krieg und die NS-Diktatur ihr Ende fanden, lebten Teile der Nazi-Ideologie und ihre Vertreter*innen weiter und so haben Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus
in der Bundesrepublik Deutschland eine traurige und brutale Tradition. Heute erleben wir eine EU, die ihre Außengrenzen abschottet und dass Elend der Flüchtlinge an den Grenzen und das Sterben im Mittelmeer weiter zulässt.
   Der Wiedereintritt Deutschlands in die Reihe der kriegsführenden Länder stellt einen Bruch mit dem Nachkriegs-konsens »Es soll nie wieder Krieg von deutschem  Boden ausgehen« als wichtigste Lehre aus der jüngeren deutschen Geschichte dar. In vielen Ländern der Welt, im Irak, in Afghanistan, Syrien, in der Ukraine und des afrikanischen Kontinents toben Kriege. Wieder sind deutsche Waffen – und oft auch deutsches Militär – beteiligt. Die Bereitschaft, »deutsche Interessen« erneut mit militärischen Mitteln durchzusetzen ist in Regierung und Bundestag gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung wieder politische Praxis geworden. Außerdem sitzt mit der selbsternannten „Alternative für Deutschland“ zum ersten Mal seit 1945 eine explizit extrem rechte Partei mit offen wahrnehmbaren faschistischen Tendenzen im Bundestag.
   Mehr als 55 Millionen Menschen fielen Naziterror, Shoah und Vernichtungskrieg zum Opfer. Sie bezahlten den deutschen Griff nach der Weltherrschaft mit unvorstellbarem Leid und ihrem Leben. In vielen ehemals von Nazideutschland besetzten Ländern wurden der 8. und/oder 9. Mai gesetzliche Feiertage.
   Genau 40 Jahre hat es gedauert, bis ein Präsident der Bundesrepublik an einem 8. Mai von Befreiung gesprochen hat. Mit Weizsäckers Rede wurde die Perspektive der Verfolgten des Naziregimes »gesellschaftsfähig«.

Wir fordern, dass der 8. Mai als Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg endlich auch in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag wird.

   Der 8. Mai ist ein Tag zum Feiern, an dem es auch darum geht, einen Beitrag für die Gegenwart und Zukunft zu leisten, damit die neuen Nazis niemals eine Chance bekommen dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte zu wiederholen.

*Samstag, 8. Mai 2021
11 bis 16 Uhr
Mahnmal für die Opfer des Faschismus
Lindenstrasse
Lüneburg*


Facebook:**https://www.facebook.com/events/472628234009707
<https://www.facebook.com/events/472628234009707>

*Lüneburger Netzwerk gegen Rechts*

Dienstag, 04.05.2021

Der 8. Mai muss als Tag der Befreiung gesetzlicher Feiertag werden

Esther Bejarano, Auschwitzüberlebende:
Ich fordere: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten. Und hilft vielleicht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschlagung des NS-Regimes. Dies schrieb ich in einem offenen Brief am 26. Januar 2020 „an die Regierenden und alle Menschen, die aus der Geschichte lernen wollen“.

Eindringlich erinnert Esther Bejarano immer wieder an das Grauen in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten.

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Samstag, 01.05.2021

Dem Ruf "Hinaus zum Ersten Mai" folgten in Lüneburg viele Hundert Menschen!

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Donnerstag, 19.04.2021

Aus dem 1.Mai-Aufruf des DGB Lüneburg

   In diesem Jahr wollen wir am 1. Mai wieder Kundgebungen an verschiedenen Orten unserer Region durchführen, auch wenn die Corona-Pandemie immer noch das öffentliche Leben bestimmt. Uns ist es wichtig ein Signal zu setzen. Zum einen wollen wir die vielen, vielen Missstände sowie unsere Forderungen für eine gerechte Sozialpolitik verdeutlichen. Zum anderen müssen wir unsere Kolleg*innen und alle die an der Kundgebung teilnehmen möchten auch schützen.

   In Anbetracht der aktuellen Pandemielage haben wir uns in diesem Jahr dafür entschieden, dass wir auf das übliche und liebgewonnene Gewerkschaftsfest für die ganze Familie verzichten und die Kundgebung mit allen erforderlichen Hygieneschutzmaßnahmen (Abstand halten – Maskenpflicht etc.) durchführen. Das heißt, wir werden keine Infostände haben, die unter Umständen zu Verteilaktionen und Ansammlungen von mehreren Menschen führen könnten. Einen Imbisswagen und auch einen Getränkeverkauf wird es nicht geben. Auch für die Kleinen werden wir in diesem Jahr kein Spielangebot bieten können.

   Zu unserer Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbunds am 1. Mai 2021 in Lüneburg unter dem Motto „Solidarität ist Zukunft“ laden wir Sie herzlich ein.

Demo: 10.00 Uhr                        Treffen auf dem Lambertiplatz zur Demonstration

Kundgebung: 11.00 Uhr            Beginn der Kundgebung auf dem Marktplatz

   Als Rednerin zum Tag der Arbeit freuen wir uns in diesem Jahr in musikalischer Umrahmung unsere Kollegin Louisa Mertens, die Bezirksjugendleiterin der IG Metall Niedersachsen – Sachsen-Anhalt aus Hannover begrüßen zu können.

   Neben dieser Veranstaltung vor Ort wird der Deutsche Gewerkschaftsbund zudem wie im vergangenen Jahr wieder ab 14 Uhr auf www.dgb.de einen Livestream zum 1. Mai senden.

Der Livestream auf Youtube mit deren Datenschutzbestimmungen

Hier sind die Maikundgebungen in der näheren Umgebung zu finden:

Soltau
Uelzen
Celle
Lüchow

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Montag, 19.04.2021

Mahn- und Gedenkveranstaltung zum 76. Jahrestag der Befreiung des KZs-Bergen-Belsen

Im Rahmen einer Mahn- und Gedenkveranstaltung zum 76. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen erinnerten Antifaschist*innen auf dem Sowjetischen Kriegsgefangenenfriedhof in Bergen-Hörsten der Opfer.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von der Sprecherin der VVN-BdA Niedersachsen, Mecki Hartung, die den weiteren Verlauf auch moderierte.

Besonders eindringliche Redebeiträge waren von Rolf Becker und einem Vertreter der Botschaft von Belarus zu hören. Auch Esther Bejarano, die Ehrenvorsitzenden der VVN-BdA, ließ ein Grußwort verlesen.

Der Redebeitrag des Journalisten und Mitherausgebers der Zeitschrift „Ossietzky“, Rainer Butenschön, führte die Schrecken des von den deutschen Faschisten geführten Vernichtungskrieg vor Augen.

Ein längerer Ausschnitt ist hier zu sehen

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