Freitag 22.10.2021

Neue Schrift der VVN Lüneburg jetzt verfügbar

Erneut veröffentlicht die VVN-BdA-Lüneburg eine Schrift zur üblen Rolle der Lüneburger Justiz während des Naziregimes

  Eine neue Veröffentlichung über die unheilvolle Rolle der Lüneburger Justiz während des NS-Regimes legt die VVN-BdA Lüneburg vor. Unter dem Titel „‘Der Angeklagte ist danach überführt, mit einer Volljüdin geschlechtlich verkehrt zu haben.‘ Zum „Rassenschande“-Prozess des Landgerichts Lüne-burg gegen Heinrich Kistner. Opfer und Täter“ schildert sie die tragische Geschichte der Familie Salo-mon/Kistner und berichtet über die Tätergemeinschaft der Lüneburger Justiz.

  Als die 30-jährige Ruth Salomon am Dienstag, den 10. Oktober 1939 am Vormittag gegen 10.00 Uhr die Schalterhalle des Lüneburger Postamts am Marienplatz betrat, ging sie ihre letzten Schritte in Freiheit. Ruths weitere Lebensstationen: Gefangennahme, Haft im Strafgefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel bis 1941, anschließend Konzentrationslager Ravensbrück. Dort wurde sie im März 1942 ermordet. Auch ihr gleichaltriger Lebenspartner, Heinrich Kistner, wurde auf Anordnung der Lüneburger Polizei an diesem 10.10.1939 verhaftet. Die gemeinsamen Kinder Maria und Heinz, drei und fünf Jahre alt, wurden in ein Kinderheim verbracht und einem Jugendamt deren Vormundschaft übertragen. Heinrich sperrte die NS-Justiz in zahlreiche Gefängnisse, Justiz-Gefangenenlager und Zuchthäuser. Als er am 15.11.1943 aus dem Zuchthaus Siegburg entlassen wurde, war der früher körperlich gesunde Mann stark abgemagert, hatte durch die Haft zahlreiche Körperschäden davongetragen und war ein völlig gebrochener Mensch.

  Den Lebensweg dieser vier Personen zeichnet diese Schrift auf: Das Aufwachsen und spätere Kennenlernen des jungen Paares, ihr zunächst recht glückliches Zusammenleben, die gemeinsame Zeit mit ihren 1934 und 1935 geborenen Kindern.

  Diese Familiengeschichte nahm eine furchtbare Wende, weil sie sich während des deutschen Faschismus zutrug: Ruth war eine junge Frau, die von den Nazis als „Jüdin“ definiert und rassistisch verfolgt wurde, ihr Partner Heinrich als „Rassenschänder“. Die Autoren zeigen die Bedrängnis, in die das Paar durch die NS-Rassengesetze geriet, ihre Flucht von Ort zu Ort, um den Verfolgern zu entkommen, ihre zunehmende Verarmung dabei und ihre Betrügereien, um der Entdeckung wenigstens für einige Zeit zu entgehen. Die Broschüre nennt aber auch die Ursachen dieser Verfolgung: Den Rassismus der Nationalsozialisten und ihre „Nürnberger Gesetze“ als Voraussetzung, Schutzhaft, Gestapo und Konzentrationslager als Instrumente zur Liquidation der jungen Mutter, Richter und Staatsanwälte zur Exekution der Nazi-Politik in „Rassenschandeverfahren“ der Justiz gegenüber dem nichtjüdischen „tatbeteiligten“ Vater.

  Ebenso wie über die Nazi-Opfer der Familie Salomon/Kistner berichtet die Schrift über das perfide Bemühen der Herren Emmermann, Severin, Finke, Kumm und Kliesch als Richter und Staatsanwälte am Lüneburger Landgericht, den von ihnen als „Rassenschänder“ ausgemachten Heinrich Kistner zur Strecke zu bringen.
Als „Vergangenheit, die nicht vergeht“ musste Heinrich Kistner die Zeit nach der Befreiung 1945 erleben: Seine einstigen Peiniger am Lüneburger Landgericht wurden für ihre Justiz-Verbrechen nicht zur Rechenschaft gezogen. Sie befanden sich sogar weiter als honorige Persönlichkeiten des Lüneburger Bürgertums, jetzt zu „Demokraten“ mutiert, in ihren alten Ämtern. In dieser Atmosphäre einer selbstdefinierten Schuldlosigkeit der Lüneburger Tätergemeinschaft stieß das Bemühen Kistners auf Anerkennung als NS-Opfer auf größte Schwierigkeiten, denn eine solche Rehabilitierung bedeutete zugleich das Eingeständnis einer Täterschaft und die Benennung der Täter.

  Als einen der Haupttäter im Fall Kistner identifizieren die Verfasser Landgerichtsrat Dr. Carl Emmermann. Er führte den Vorsitz im „Rassenschande“-Prozess im Juni 1940 und verurteilte Kistner zu 2 Jahren Zuchthaus. Sein beruflicher Aufstieg und seine richterliche Tätigkeit als Nazi-Jurist am Lüneburger Landgericht wird in der Schrift ebenso geschildert wie sein Wiedereinstieg nach 1945 in gleicher Funktion – nun hier tätig ausgerechnet als Vorsitzender der Entschädigungskammer am Landgericht. Jetzt verhinderte er im Zusammenspiel mit seinen früheren NS-Justizkumpanen, dass Heinrich Kistner in den 1950er Jahren eine nennenswerte finanzielle Entschädigung für das ihm in der Nazizeit gerade auch von Carl Emmermann angetane Unrecht erhielt. Der Richter selbst profitierte dagegen finanziell immer noch von seinen NS-Verbrechen: Seine Zeiten als richterlicher Nazi-Täter wurden ihm als Dienstaltersvergütung auf sein Richtergehalt hinzugerechnet.

  Die Veröffentlichung der Lüneburger VVN-BdA versteht sich als ein Beitrag zur Aufdeckung der unheilvollen Rolle der Lüneburger Justiz während des NS-Regimes. Darüber hinaus weist sie auf die Restaurationsphase der kleinstädtischen Nachkriegsgesellschaft hin, ein bislang wenig beachtetes Kapitel der Lokalgeschichte.

  Die Broschüre ist in Lüneburg zum Selbstkostenpreis von 5,00 Euro erhältlich im Cafe Avenier, Katzenstraße, oder auf Rechnung zum Preis von 7,00 Euro (incl. Porto) zu bestellen unter
vvn-bda-lueneburg@vvn-bda-lg.de.

Lüneburg, Oktober 2021, VVN-BdA-Lüneburg

Dientag, 28.09.2021

Ein paar etwas erfreuliche Ergebnisse der Bundestagswahl

  •  Philipp Amthor die Nachwuchshoffnung der CDU hat sein Direktmandat verloren.
  •  CDU-Rechtsaußen Hans-Georg Maaßen verlor gegen den SPD-Politiker Frank Ullrich.
  • Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner verliert ihr Direktmansat.
  • Wirtschaftsminister Peter Altmaier unterliegt seinem Kabinettskollegen Heiko Maas.
  •  Kanzleramtsminister Helge Braun verliert gegen Felix Döring (SPD) sein Direktmandat.
  • Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer unterlag Josephine Ortleb (SPD) und verliert ihr Direktmandat
  • Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gewinnt sein Direktmandat erhält aber 16,8% weniger als vor vier Jahren.
  • Eckhard Pols wurde von Jakob Blankenburg (SPD) geschlagen. Sein Listenplatz reicht nicht für den Bundestag.

Leider erhalten die meisten der oben genannten einen Sitz im Bundestag, weil sie über die Parteiliste abgesichert waren.

                                                                                                                                                                                                   pg

Sonntag, 12.09.2021

Friedenspolitische Radtour des DGB

Anlässlich des Antikriegstags lud der DGB Region Nord-Ost Niedersachsen am Sonntag 5. September zu einer friedens-politischen Radtour ein, um für Frieden und Abrüstung einzutreten.

 

Annähernd 15 Kollegen und eine Kollegin starteten um 10 Uhr bei sonnigem Wetter – gut gelaunt und mit dem Symbol der Friedenstaube versehenen Schutzwesten ausgestattet – zur ersten Station Richtung Leuphana Universität.

 

Am Hauptportal der ehem. Scharnhorst-Kaserne informierte unser Mitglied PeterR über die Geschichte der von den Nazis dort erbauten Kaserne als Bestand-teil der Militarisierung und Kriegsvorbereitung Deutschlands. Kenntnisreich informierte er über die Vorbereitung und die Beteiligung der dort ausgebildeten Soldaten für den 2. Weltkrieg insbesondere über den Angriffs – und Vernichtungskrieg gegen die Sowjet-union.

 

Weiter fuhren wir dann zur Möllering Villa ( ehemalige psychiatrische Klinik Häcklingen). In dieser Villa hatten die Briten am Ende des 2. Weltkrieges kurz vor der bevorstehenden Kapitulation Nazideutschlands ihre Kommandantur untergebracht. Zwei Gewerkschafts-kollegen informierten über die Geschichte dieses Gebäudes und die näheren Umstände der deutschen Teil-Kapitulation.

Durchs Ilmenautal radelten wir nach Deutsch Evern und von dort Richtung Wendisch Evern zum Gedenkstein am Timelo Berg.
Dort und am Parkplatz an der Landstraße zwischen Deutsch und Wendisch Evern gibt es bereits seit wenigen Jahren Informationstafeln zu den historischen Ereignissen.
Ein Gewerkschaftskollege informierte an der Tafel am Parkplatz noch detaillierter über die Präsenz des britischen Befehlshabers Montgomery an diesem Ort und die dort erfolgte bedingungslose Kapitulation Deutschlands für Nordwestdeutschland.

Foto Zeitloslauf 2021



Besondere Erwähnung fand die jährlich Anfang Mai unter der Schirmherrschaft der Gemeinde Wendisch Evern von der Gruppe ZeitlosLauf organisierte Jogging und Walking Aktion -ZeitlosLauf.

Nach einer kurzen Pause am Gedenkstein fuhren wir weiter zur letzten Station – dem KZ-Ehrenfriedhof im Tiergarten. Dort informierte unser Mitglied Sigi B. über die Ereignisse Anfang April 1945 am Lüneburger Güterbahnhof. Er berichtete über das Schicksal der KZ-Häftlinge, über die Verbrechen der Marinesoldaten und ihre Unterstützung durch Vertreter der damaligen Nazi-Stadtverwaltung.
Interessant und informativ waren auch die Aus-führungen über die in Lüneburg wieder zu Amt und Würden gelangten ehemaligen Nazis und ihre Maßnahmen um den Ehrenfriedhof für die Ermordeten KZ- Gefangenen dem Vergessen preiszugeben.

Foto Volkstrauertag 2020

 

 

Gut eine Stunde später als geplant und nach gefahren-en mehr als 22 km Fahrt trafen wir wieder im DGB – Hof ein.

 
 

Bierzeltgarnitur, Erfrischungsgetränke, Grill mit Grillwürstchen ( vegan oder bio ) waren schnell im DGB-Hof aufge-baut und in Betrieb genommen. So konnte abschließend diese friedenspolitische Radtour von mehreren Teilneh-menden als rundum gelungen gewürdigt werden.

                                                                                                                                                                                                   fk/pg

Montag, 06.09.2021

Welch ein Unterschied

Krieg

und

Frieden

Lüneburg Marktplatz 30.08.2021

Lüneburg Marktplatz 04.09.2021

Für die "passende" Musik aufs Bild klicken
Für die Musik aufs Bild klicken

Samstag 04.09.2021

Antikriegstag 2021 in Lüneburg

Friedensfest zum Antikriegstag Lüneburg 2021

Samstag den 04. September um 18 Uhr – Auf dem Lüneburger Marktplatz
Am Marktplatz erwarten euch Reden, Kulturbeiträge sowie Infostände.

Der 20-jährige NATO Krieg in Afghanistan mahnt uns Konsequenzen zu ziehen. Nie wieder!

Aufruf des Friedensbündnisses Lüneburg
   Im September 1939 überfiel die deutsche Wehrmacht Polen und begann damit einen Krieg, der über 65 Millionen Menschen das Leben kostete. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs wird dieses Datum in der Bundesrepublik daher als Antikriegstag begangen, um für Frieden und Menschenrechte zu wirken. Wir wollen uns diesem bundesweiten Wirken anschließen und die Lehren aus der Geschichte ziehen – Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

   Diese Lehren einzulösen, bleibt auch heute noch unsere Aufgabe. Schluss mit Aufrüstung, Kriegseinsätzen, Rüstungsforschung und Waffenexporten – Nein zur NATO und allen Auslandeseinsätzen! Wir kämpfen für ein Wiederaufleben des Völker- und Menschenrechts, für solidarische Entwicklungszusammenarbeit sowie für den Ausbau der WHO. Wir wollen Abrüstung, den Abzug aller Atomwaffen und den Beitritt der Bundesrepublik zum Atomwaffenverbotsvertrag der UN. Das Recht auf Asyl gehört wiederhergestellt und Rassismus raus aus den Köpfen! Denn es ist nötig: 76 Jahre nach dem Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki erreicht der nukleare Wettlauf um „Abschreckung“ menschheitsbedrohliche Ausmaße. Die deutsche Bundesregierung weigert sich, das UN – Verbot von Atomwaffen zu unterzeichnen. Die globalen Rüstungsausgaben belaufen sich inzwischen auf 2 Billionen US-Dollar. Deutschland ist bei den Ländern mit den meisten Rüstungsausgaben auf den siebten Platz vorgerückt und viertgrößter Rüstungsexporteur weltweit. Mit ihrer Außen-, Handels- und Abschottungspolitik, insbesondere durch Frontex, macht die Bundesregierung sich mit zur Ursache von Verelendung, Vertreibung und dem Massensterben im Mittelmeer. Statt humanitärer Hilfe soll die NATO-Zielvorgabe erfüllt werden, d.h. eine weitere Erhöhung des Wehretats um mehr als 20 Milliarden Euro. Die Corona-Krise offenbart, wie verantwortungslos diese Geldverschwendung ist. Dabei sind insbesondere im globalen Süden große Bevölkerungsteile immer noch schutzlos dem Virus ausgesetzt. Statt mit Geld und Ressourcen einen gefährlicheren Rüstungswettbewerb anzufeuern, braucht es den weltweiten Ausbau der Gesundheits- und Sozialsysteme sowie den sozial-ökologischen Umbau unserer Gesellschaft.

   Ohne Frieden und internationale Kooperation ist keine Krise der Welt lösbar – weder Hungersnot, Pandemien, Klimazerstörung oder aber die weltweite Vertreibung von Menschen. Deshalb rufen wir mit der weltweiten Friedensbewegung, als Gewerkschaften, Studierendenschaften, Verbänden, Parteien und Initiativen dazu auf, gemeinsam für Frieden auf die Straße zu gehen.

   „Ihr habt keine Schuld an dieser Zeit. Aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts über diese Zeit wissen wollt. Ihr müsst alles wissen, was damals geschah. Und warum es geschah.“

Esther Bejarano
Antifaschistin, Künstlerin und Überlebende von Auschwitz
(15. Dez. 1924 – 10. Juli 2021)

Veranstaltende:
– Friedensbündnis Lüneburg
– Netzwerk gegen Rechts Lüneburg
– Seebrücke Lüneburg
– VNN-BdA Kreisvereinigung Lüneburg
– SJD – Die Falken, Unterbezirk Nordniedersachsen
– Antifaschistische Aktion Lüneburg / Uelzen
– Klimakollektiv Lüneburg
– Mosaique – Haus der Kulturen
– alltagskultur e.V.
– AStA – Universität Lüneburg
– DIE LINKE Kreisverband Lüneburg
– dielinke.SDS Hochschulgruppe Lüneburg

                                                                                                                                                                                                      pg

Montag, 30.08.2021

Rekruten-Vereidigung auf dem Marktplatz: Werbeveranstaltung für Kriegsbeteiligung!

   Wer die Notwendigkeit antimilitaristischen Engagements wieder einmal hautnah spüren wollte, der oder die ging am 26. August auf den Lüneburger Marktplatz zur öffentlichen Rekrutenvereidigung. Dort bot die Bundeswehr alles auf, was bei Liebhaber*innen von Militärgerät und Waffen, Uniformen und Fahnen, Kommandogebrüll und Marschmusik, Gleichschritt und Zackigkeit, usw. usf. die Herzen höherschlagen ließ.

   Trotzdem dürfte die Stimmung der Veranstaltenden nicht ungetrübt gewesen sein: Dafür sorgten zum einen Friedensdemonstrant*innen, die dem Militaristen-Spektakel widersprachen und z.B. laut „Frieden schaffen ohne Waffen!“ forderten. Damit störten sie auch die Erzählung von der „traditionellen Verbundenheit aller Lüneburger*innen mit ihren Soldat*innen“, die auch OB Ulrich Mädge wieder einmal vortrug. Und tatsächlich wurde dann auch wieder die Legende vom Soldaten als Freund und Helfer beschworen: In Afghanistan als Brunnenbauer, Frauenbefreier und Schulbildung-Ermöglicher, in der Heimat als Retter bei Hochwasser- und anderen Naturkatastrophen sowie im Anti-Corona-Einsatz.

   Die Stimmung auf dem Marktplatz war aber auch dadurch beeinträchtigt, dass Stadtverwaltung und Bundeswehr-Spitze einen ungünstigen Zeitpunkt erwischt hatten: Das laute Tamtam konnte nämlich nicht die Tatsache überdecken, dass (auch) die Bundeswehr den 20jährigen Krieg in Afghanistan gerade krachend verloren hat – und das gegen Gegner, die man gern abfällig als „Moped-Bande“ oder „Sandalen-Krieger“ tituliert. Vor ihnen kapitulieren zu müssen, ist nicht gut fürs Selbstbewusstsein!

   Die Frage nach dem „Warum diese Niederlage?“ bzw. „War dieser Krieg mit tausenden toten Afghanen und (auch) vielen toten Soldaten der Besatzungstruppen richtig?“ wurde in den Ansprachen auf dem Marktplatz nur zu gern umgangen. Stattdessen wollte man trotzig vermitteln: „Unsere Soldat*innen waren die Guten! Sie haben für unsere Werte gekämpft und ihr Leben eingesetzt für Recht und Freiheit!“

   Dass deutsche Truppen sich auch in Zukunft überall auf der Welt unbedingt weiter einmischen sollen, das war denn auch die eigentliche Botschaft des ganzen Vereidigungs-Zirkus. Wir müssen uns sehr anstrengen, wenn das nicht so kommen soll!

                                                                                                                                                                                                      pr

Das Trauerspiel von Afghanistan

Theodor Fontane 1857 – Nina Hagen 2001

Theodor Fontane 1857 – Nina Hagen 2001 (Beim Abspielen des Videos gelten die Datenschutzbestimmungen von Youtube)

Der Schnee leis stäubend vom Himmel fällt,
Ein Reiter vor Dschellalabad hält.
„Wer da!“ – „Ein britischer Reitersmann,
Bringe Botschaft aus Afghanistan.“

„Afghanistan!“ er sprach es so matt;
Es umdrängt den Reiter die halbe Stadt,
Sir Robert Sale, der Kommandant,
Hebt ihn vom Rosse mit eigener Hand.

Sie führen ins steinerne Wachthaus ihn,
Sie setzen ihn nieder an den Kamin,
Wie wärmt ihn das Feuer, wie labt ihn das Licht,
Er atmet hoch auf und dankt und spricht:

„Wir waren dreizehntausend Mann,
Von Kabul unser Zug begann,
Soldaten, Führer, Weib und Kind
Erstarrt, erschlagen, verraten sind.

Zersprengt ist unser ganzes Heer,
Was lebt, irrt draußen in Nacht umher,
Mir hat ein Gott die Rettung gegönnt,
Seht zu, ob den Rest ihr retten könnt.“

Sir Robert stieg auf den Festungswall,
Offiziere, Soldaten folgten ihm all,
Sir Robert sprach: „Der Schnee fällt dicht,
Die uns suchen, sie können uns finden nicht.

Sie irren wie Blinde und sind uns so nah,
So laßt sie’s hören, daß wir da,
Stimmt an ein Lied von Heimat und Haus,
Trompeter, blast in die Nacht hinaus!“

Da huben sie an und sie wurden’s nicht müd‘,
Durch die Nacht hin klang es Lied um Lied,
Erst englische Lieder mit fröhlichem Klang,
Dann Hochlandslieder wie Klagegesang.

Sie bliesen die Nacht und über den Tag,
Laut, wie nur die Liebe rufen mag,
Sie bliesen – es kam die zweite Nacht,
Umsonst, daß ihr ruft, umsonst, daß ihr wacht.

Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
Einer kam heim aus Afghanistan.

Mittwoch, 18.08.2021

Montag, 16.08.2021

Antikriegstag 2021 in Lüneburg

Friedensfest

Am 04. September um 18 Uhr, auf dem Marktplatz in Lüneburg

                                                                                                                                                                                                      pg

Dienstag, 03.08.2021

                                                                                                                                                                                                      pg

Freitag, 23.07.2021

Rolf Becker verabschiedet sich von Esther Bejarano

Liebe Edna, lieber Joram, liebe Familie,
liebe Freundinnen und Freunde vom Auschwitz-Komitee und von der VVN-BdA,
liebe mit uns Abschiednehmende –  
                                 Hier die ganze Rede von Rolf Becker lesen

Montag, 19.07.2021

Bewegende Trauerfeier auf dem jüdischen Friedhof in Ohlsdorf

Mehrere hundert Menschen erwiesen Esther Bejarano die letzte Ehre

„Esther hätte es gefreut, wenn möglichst viele Leute ihr das Geleit geben.“ Mit diesen Worten hatte das Auschwitz-Komitee gemeinsam mit den Kindern und Freund*innen der Verstorbenen zur Trauerfeier für Esther Bejarano eingeladen. Das entsprach offenbar auch dem Bedürfnis von sehr vielen Menschen, die sich am 18. Juli auf und vor dem Jüdischen Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf versammelten.

Vor dem aufgebahrten Sarg in der Friedhofskapelle ehrte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher Esther Bejarano als große Bürgerin Hamburgs. Dass Esther sich nach allem, was ihr im Land der Täter widerfahren war, Hamburg als Wohnort ausgewählt habe, bezeichnete er als „großes Geschenk für die Stadt.“ Tschentscher würdigte Esthers Engagement, mit dem sie „wichtige Impulse gegeben hat für Demokratie, Erinnerungskultur und Gleichberechtigung in Deutschland.“ Im Namen des Senats versicherte er, Esthers Andenken würdigen und sich dafür einsetzen zu wollen, „ihre Botschaft weiterzutragen“.

Esthers Sohn Joram Bejarano sagte: „Dein Lachen, dein Mut, deine Entschlossenheit, deine liebevolle Art, dein Verständnis, dein kämpferisches Herz – alles, alles wird fehlen!“

Die Hauptrede hielt der bekannte Schauspieler Rolf Becker, den eine tiefe Freundschaft mit Esther verbindet und den Esther gern als ihren „kleinen Bruder“ bezeichnet hat. Er zitierte die von Esther „an mich und an uns alle gerichtete testamentarisch verfügte“ Aufforderung: „Nie mehr schweigen, wenn Unrecht geschieht. Seid solidarisch! Helft einander! Achtet auf die Schwächsten! Bleibt mutig! Ich vertraue auf die Jugend, ich vertraue auf euch! Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!

Für Rolf Becker war Esther eine „Kommunistin“, ebenso wie ihr verstorbener Mann Nissin Bejarano „beide Kommunisten, nicht als Parteigänger, sondern im Sinne von Heinrich Heine“, mit dessen Zitat der Redner seine Ansprache begonnen hatte.

Rolf Becker nannte dann Beispiele dafür, wie Esther „Geschwisterlichkeit im weitesten Sinne“ mit ihrem umfassenden Engagement für alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens vorgelebt hat: Ihr öffentlicher Aufruf gegen das Abschieben von Roma nach Serbien und Kosovo  („Sie sind wie wir in Auschwitz und anderen Lagern als unwürdig zu leben vernichtet worden!“); ihr Verurteilen des Senatsbeschlusses unter Olaf Scholz, die Flüchtlingsgruppe „Lampedusa“ in Hamburg nicht aufzunehmen („Wir können doch nicht heute immer noch Menschen wie Tiere behandeln!“); ihr Aufruf im Mai 2020 anlässlich der Corona-Krise, alle Menschen ärztlich zu versorgen, und z.B. im reichen Hamburg leerstehende Hotels für Obdachlose zu öffnen; ihr Unterstützungs-Schreiben an die Familien Arslan und Yilmaz, die Opfer von Nazi-Brandanschlägen wurden („Um es klar auszusprechen: Ohne das Wegschauen und Decken von Nazismus und Rassismus nach 1945 hätte es das Oktoberfest-Attentat, die Pogrome in Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda, Solingen und Mölln und den NSU nicht geben können…Nazis wurden und werden in diesem Land direkt oder indirekt durch politische Kampagnen und das Schweigen und Wegschauen ermutigt, weiter Hass und Leid zu verbreiten“).

Nie mehr zu schweigen, wenn Unrecht geschieht: das bezog Esther auch auf die Vertreibung und Ausgrenzung der Palästinenser durch den modernen zionistischen Staat Israel, der seit nunmehr 50 Jahren ein brutales Besatzungsregime unterhält. In diesem Zusammenhang benannte Rolf Becker eine „mehr als fragwürdige Israel-Solidarität“, die sich immer aggressiver gegen kritische Juden richte. In einem gemeinsamen Solidaritäts-Brief an Moshe Zuckermann hatten Esther und Rolf geschrieben: “Wer meint, den Antisemitismus bekämpfen zu wollen, der vermeide es vor allem, Israel, Judentum und Zionismus – mithin Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik wahllos in seinen deutschen Eintopf zu werfen um es je nach Lage opportunistisch zu verkochen und demagogisch einzusetzen.

Rolf Becker verlas dann den Abschiedsgruß von Moshe Zuckermann aus Tel Aviv, der sich darin „zutiefst berührt von Esthers unerschütterlicher Lebensbejahung“ zeigte und „die große Leidenschaft ihrer schöpferischen Energie“ bewunderte. Esther verkörpere geradezu symbolhaft „die Möglichkeit, persönliches Lebensleid in freiheitliche Hingabe zu übersetzen, tiefe Humanität in politische Praxis umzusetzen.“

Nach Rolf Becker leitete den Schluss seiner Rede mit der Feststellung ein, „viel, viel bliebe nachzutragen. Wir werden uns in Hinblick auf die von Esther an uns weitergereichten Aufgaben darüber in Esthers Sinne austauschen müssen.

Unter Tränen drückte er abschließend seine Trauer aus, „Trauer über den Tod meiner großen Schwester, zugleich tief empfundene Dankbarkeit dafür, was sie mir und uns war und bleibt.“ Dazu nannte Rolf Becker das spanische Wort „presente!, wie es auf Kuba heißt, wo Esther 2017 auf ihrer letzten großen Reise Solidaritätskonzerte gegen den seit 60 Jahren dauernden Boykott des Landes durch die USA gab.“  Esthers „kleiner Bruder“ Rolf Becker schloss seine ergreifende Ansprache dann mit den Worten: „Presente, Esther, du bist und bleibst anwesend, du bleibst bei uns. In Liebe, dein kleiner Bruder!“

Nach Rolf Becker sprachen noch Esthers Hamburger Freundin und Holocaust-Überlebende Peggy Parnass, Kutlu Yurtseven, Freund und Mitglied von „Microphone Mafia“ – der Band, mit der Esther u.a. auch in Lüneburg und Adendorf aufgetreten war, und der Landesrabbiner der Hamburger jüdischen Gemeinde Shlomo Bistritzky.

In einem langen Zug von Trauernden begleiteten Esthers Familie, Freundinnen und Freunde den Sarg auf dem Friedhof zur Grabstelle. Dort sprach Esthers Sohn Joram das jüdische Totengebet Kaddisch. Esther ruht jetzt neben ihrem schon 1999 verstorbenen Ehemann Nissin auf dem jüdischen Friedhof in Hamburg Ohlsdorf.

Peter Raykowski

                                                                                                                                                                                                     pg

Dienstag, 20.07.2021

Viele Veranstaltungen unterstützte Esther Bejarano in Lüneburg

Deshalb haben Lüneburger Antifaschist*innen  ihr viel zu verdanken.

An dieser Stelle haben wir unsere Erinnerungen an die Zeiten mit Esther Bejarano in Lüneburg zusammengetragen, zur Lüneburger Erinnerungsseite :

Esther Bejarano nach einem Gespräch mit Schüler*innen der damaligen Hauptschule Kaltenmoor in Lüneburg

                                                                                                                                                                                                       pg

Montag, 15.06.2021

22. Juni 1941 Deutschlands Überfall auf die Sowjetunion

Wie Lüneburg sich an dem Vernichtungskrieg
beteiligte

Veranstaltung zu einem denkwürdigen Jahrestag!
Wann: 22. Juni 2021, 19.00 h
Wo: Museum Lüneburg, Marcus-Heinemann-Saal

In dieser Veranstaltung zum 80. Jahrestag wollen wir der Frage der Lüneburger Beteiligung und Verantwortung nachgehen. Auf eine kurze Darstellung der sog. „verbrecherischen Befehle“ folgen Einzelvorträge zur Beteiligung Lüneburger Wehrmachts-Truppen (22. ID [47. IR/ 22. AR],  110. ID), zur Existenz und Behandlung sowjetischer Zwangsarbeiter*innen in Lüneburg und zur Geschichte des „Russenfriedhofes“ bei Reppenstedt. 

Ein verbrecherischer Angriffskrieg

Schon lange vor dem eigentlichen Angriff auf die Sowjetunion war dem Oberkommando der Wehrmacht, somit der Generalität bekannt, dass es sich bei diesem Angriff nicht um einen Krieg im herkömmlichen Sinn (Eroberung des Staatsgebietes/Macht-übernahme) ginge. Das Ziel war die vollständige Vernichtung des sow-jetischen Staates, seiner Einwohner durch die massenhafte Ermordung der Bevölkerung und durch die Zerstörung der Lebensgrundlage. Im Dezember 1940 begann die Wehrmachtsführung diesen Vernichtungs-krieg, das „Unternehmen Barbarossa“ konkret vorzubereiten. Das schreck-liche Ergebnis:

Mehr als 25 000 000 Tote auf russischer Seite.

Lüneburger Einheiten

Ab Juni 1941 beteiligten sich auch Militäreinheiten aus den vier Lüneburger Kasernen am Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, wie z.B. das 47. Infanterieregiment (Teil der 22. Infanteriedivision) im südlichen- und die 110. ID. im mittleren Angriffsgebiet. Für beide Einsatzräume (v.a. Ukraine, Belarus) sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit nachgewiesen. Wir beleuchten diesen Aspekt der Kriegs-führung „gegen den bolschewistischen Todfeind“ und schildern, wie dreist Veteranen dieser Truppen nach 1945, mit kräftiger Unterstützung der Stadtgesell-schaft, die historischen Tatsachen ver-drehten und an der Legende von der „sauberen“ Wehrmacht strickten.

Der „Russenfriedhof“ bei Reppenstedt

So unvorstellbar die vielen namenlosen Millionen Toten sind, so kennen wir den Namen des sowjet-ischen Kriegsgefangenen Michail Rygalow. Mit etwa 50 russischen Kriegsgefan-genen wurde er zwischen dem Landgasthof Böhms-holz und Reppenstedt verscharrt. In den fünfziger Jahren wurden die namentlich bekannten Toten nach Munster überführt und dort anonym in einem Massengrab beerdigt.

„Schlechter ging es den Russen.  Die meisten suchten in den Mülltonnen nach, ob noch etwas Essbares darin war.“ 
So der Sozialdemokrat Karl Marquardt zur Situation der   sowjetischen Zwangsarbeitenden in Lüneburg           
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Im Zuge ihres Konzepts zur Gewinnung von „Lebensraum im Osten“ setzten die Deutschen in der Sowjetunion ihre Planung um, die Gebiete wirtschaftlich zu ruinieren und die Bevölkerung auszuhungern, zu vertreiben oder in Zwangs-arbeit zu bringen. Über Gestellungsbefehle und Razzien wurden die Menschen gezwungen, die weite Reise in geschlossenen Güterwaggons nach Lüneburg durchzustehen, wo sie am Bahnhof von den Arbeitgebern ausgesucht und abgeholt wurden. Fast alle Lüneburger Hand-werker, Händler und Gastronomen profitierten von der Ausbeutung ihrer Arbeitskraft. 17 Lager wurden im Stadtbezirk überwiegend auf Betriebsgelände eingerichtet, manche auch direkt als „Russenbaracke“ deklariert, um die Zwangsarbeitenden als Arbeitsgefangene der Firma zu halten.

Noch schlimmer erging es den sowjetischen Kriegsgefangenen. Innerhalb weniger Monate starben zwei Millionen der bis Ende 1941 gefangengesetzten 3,35 Mio Soldaten der SU an Auszehrung infolge ungenügender Essens-rationen, mangelnder medizinischer Betreuung und fehlenden Schutzes vor Hitze und Kälte, bis zum Kriegsende noch weitere 1,3 Mio sowjetische Kriegsgefangene. Alleine in den drei Kriegsgefangenenlagern des Regierungs-bezirks Lüneburg Bergen-Oerbke, Bergen-Belsen und Wietzendorf starben ca. 47.000 sowjetische Kriegsgefangene.

Flyer Seite 1
Flyer Seite 2

pg

Freitag, 11.06.2021

Plakataktion in Lüneburg

Mit einer Plakataktion wird seit gestern in Lüneburgs Innenstadt auf das Datum 22. Juni 1941 aufmerksam gemacht. Eine Erinnerung an einen, der der vor 80 Jahren die Welt veränderte.

pg

Dienstag, 11.05.2021

Neues Buch der VVN-BdA- Lüneburg

Wolfgang Mirosch und seine Mutter Katharina Czaja

Die Geschichte eines Adendorfer Kindes und einer Lüneburgerin im Nationalsozialismus

Das aktuelle Buch schildert das Schicksal der Lüneburger Sinti und Roma während der Herrschaft des Nationalsozialismus am Beispiel des Grundschülers Wolfgang Mirosch und seiner Mutter Katharina Czaja. Auf Grundlage neuester Forschungen, unter anderem in den verschiedensten Archiven zeichnet Peter Raykowski auf akribische Art das kurze Leben von Wolfgang Mirosch und seiner Mutter Katharina Czaja nach. Schon fällt als erstes auf: Warum trägt Wolfgang einen anderen Nachnamen als seine Mutter? Ein Frage von vielen, die in dem Buch beantwortet werden.
   Wir wünschen dem Buch eine große Verbreitung und freuen uns über Rückmeldungen. Besonders weisen wir darauf hin, dass die Darstellung mit ihren einfühlsamen Texten sowie zahlreichen Abbildungen besonders für die Bildungsarbeit auch mit jungen Menschen gedacht und geeignet ist.  Auf Wunsch können wir dafür auch Lesungen anbieten.

Zum Vorwort der Schrift

Zum Inhaltsverzeichnis

Das Buch ist für 15€ / (Solidaritätspreis 17€)  hier zu erhalten

–       Im Shop des Museums Lüneburg

 –      Buchhandlung Adendorf, Kirchweg 72

 –      Avenir Laden & Café, Katzenstraße 2 (Im Heinrich-Böll-Haus), 21335 Lüneburg

–      Buchhandlung, Häcklingen, Alter Hessenweg 6

–      Buchhandlung Hohmann Bleckede, Friedrich-Kücken-Str. 1, 21354 Bleckede

oder für 15€ / (Solidaritätspreis 17€); zzgl. 3 € Versandkosten auf dem Postweg – Bestellung über vvn-bda-lueneburgätvvn-bda-lg.de

ISBN 978-3-00-068686-3

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Freitag, 07.05.2021

Das Lüneburger Netzwerk gegen Rechts ruft auf

Zum 76. Jahrestag der Befreiung

8. Mai 1945 – 8. Mai 2021
76. Jahrestag der Befreiung
   Wir rufen dazu auf, am 8. Mai 2020 am Mahnmal für die Opfer des Faschismus Blumen niederzulegen und Erklärungen unter dem Motto „Der 8. Mai ist für mich ein Feiertag, weil…“ abzugeben und zu hinterlassen. Alle Beiträge werden gesammelt und später veröffentlicht und dienen auch zur Unterstützung der Petition von Ester Bejarano.
Am 8. Mai 1945 wurde nahezu ganz Europa von Faschismus und Krieg befreit. In Deutschland erlebten in erster Linie die überlebenden Verfolgten, die Tausenden, die noch in den KZ´s eingesperrt waren und Wider-standskämpfer*innen diesen Tag als Befreiung. Aber auch wir alle, die wir heute leben, verdanken die Chance eines Lebens in Frieden, Freiheit und Vielfalt den Menschen, die den Faschismus bekämpften und NaziDeutschland besiegten. Die alliiertenStreitkräfte sind und bleiben auch unsere Befreier*innen. Mit besonderer Dankbarkeit erinnern wir an den Beitrag, den der antifaschistische Widerstand in Deutschland, in der Emigration, als Teil von Partisan*innenverbänden und in den Streitkräften der Antihitlerkoalition geleistet hat.
   Am 18. April 1945 besetzten britische Truppen Lüneburg und beendeten die 12-jährige Herrschaft der Nazis. Am 4. Mai 1945 kapitulierten auf demTimeloberg nahe Deutsch-Evern die deutschen Truppen in Nordwest-deutschland. Noch wenige Tage vor der Befreiung Lüneburgs mussten hier über 250 Häftlinge eines KZ-Transports sterben. Sie starben bei einem Luftangriff oder wurden von der Wachmannschaft erschossen. Allein am 11. April 1945 wurden 60 bis 80 Häftlinge in der Nähe des Bahnhofs ermordet.
   Der 8. Mai gilt als Tag der Befreiung. Doch während der Krieg und die NS-Diktatur ihr Ende fanden, lebten Teile der Nazi-Ideologie und ihre Vertreter*innen weiter und so haben Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus
in der Bundesrepublik Deutschland eine traurige und brutale Tradition. Heute erleben wir eine EU, die ihre Außengrenzen abschottet und dass Elend der Flüchtlinge an den Grenzen und das Sterben im Mittelmeer weiter zulässt.
   Der Wiedereintritt Deutschlands in die Reihe der kriegsführenden Länder stellt einen Bruch mit dem Nachkriegs-konsens »Es soll nie wieder Krieg von deutschem  Boden ausgehen« als wichtigste Lehre aus der jüngeren deutschen Geschichte dar. In vielen Ländern der Welt, im Irak, in Afghanistan, Syrien, in der Ukraine und des afrikanischen Kontinents toben Kriege. Wieder sind deutsche Waffen – und oft auch deutsches Militär – beteiligt. Die Bereitschaft, »deutsche Interessen« erneut mit militärischen Mitteln durchzusetzen ist in Regierung und Bundestag gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung wieder politische Praxis geworden. Außerdem sitzt mit der selbsternannten „Alternative für Deutschland“ zum ersten Mal seit 1945 eine explizit extrem rechte Partei mit offen wahrnehmbaren faschistischen Tendenzen im Bundestag.
   Mehr als 55 Millionen Menschen fielen Naziterror, Shoah und Vernichtungskrieg zum Opfer. Sie bezahlten den deutschen Griff nach der Weltherrschaft mit unvorstellbarem Leid und ihrem Leben. In vielen ehemals von Nazideutschland besetzten Ländern wurden der 8. und/oder 9. Mai gesetzliche Feiertage.
   Genau 40 Jahre hat es gedauert, bis ein Präsident der Bundesrepublik an einem 8. Mai von Befreiung gesprochen hat. Mit Weizsäckers Rede wurde die Perspektive der Verfolgten des Naziregimes »gesellschaftsfähig«.

Wir fordern, dass der 8. Mai als Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg endlich auch in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag wird.

   Der 8. Mai ist ein Tag zum Feiern, an dem es auch darum geht, einen Beitrag für die Gegenwart und Zukunft zu leisten, damit die neuen Nazis niemals eine Chance bekommen dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte zu wiederholen.

*Samstag, 8. Mai 2021
11 bis 16 Uhr
Mahnmal für die Opfer des Faschismus
Lindenstrasse
Lüneburg*


Facebook:**https://www.facebook.com/events/472628234009707
<https://www.facebook.com/events/472628234009707>

*Lüneburger Netzwerk gegen Rechts*

Dienstag, 04.05.2021

Der 8. Mai muss als Tag der Befreiung gesetzlicher Feiertag werden

Esther Bejarano, Auschwitzüberlebende:
Ich fordere: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten. Und hilft vielleicht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschlagung des NS-Regimes. Dies schrieb ich in einem offenen Brief am 26. Januar 2020 „an die Regierenden und alle Menschen, die aus der Geschichte lernen wollen“.

Eindringlich erinnert Esther Bejarano immer wieder an das Grauen in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten.

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Samstag, 01.05.2021

Dem Ruf "Hinaus zum Ersten Mai" folgten in Lüneburg viele Hundert Menschen!

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Donnerstag, 19.04.2021

Aus dem 1.Mai-Aufruf des DGB Lüneburg

   In diesem Jahr wollen wir am 1. Mai wieder Kundgebungen an verschiedenen Orten unserer Region durchführen, auch wenn die Corona-Pandemie immer noch das öffentliche Leben bestimmt. Uns ist es wichtig ein Signal zu setzen. Zum einen wollen wir die vielen, vielen Missstände sowie unsere Forderungen für eine gerechte Sozialpolitik verdeutlichen. Zum anderen müssen wir unsere Kolleg*innen und alle die an der Kundgebung teilnehmen möchten auch schützen.

   In Anbetracht der aktuellen Pandemielage haben wir uns in diesem Jahr dafür entschieden, dass wir auf das übliche und liebgewonnene Gewerkschaftsfest für die ganze Familie verzichten und die Kundgebung mit allen erforderlichen Hygieneschutzmaßnahmen (Abstand halten – Maskenpflicht etc.) durchführen. Das heißt, wir werden keine Infostände haben, die unter Umständen zu Verteilaktionen und Ansammlungen von mehreren Menschen führen könnten. Einen Imbisswagen und auch einen Getränkeverkauf wird es nicht geben. Auch für die Kleinen werden wir in diesem Jahr kein Spielangebot bieten können.

   Zu unserer Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbunds am 1. Mai 2021 in Lüneburg unter dem Motto „Solidarität ist Zukunft“ laden wir Sie herzlich ein.

Demo: 10.00 Uhr                        Treffen auf dem Lambertiplatz zur Demonstration

Kundgebung: 11.00 Uhr            Beginn der Kundgebung auf dem Marktplatz

   Als Rednerin zum Tag der Arbeit freuen wir uns in diesem Jahr in musikalischer Umrahmung unsere Kollegin Louisa Mertens, die Bezirksjugendleiterin der IG Metall Niedersachsen – Sachsen-Anhalt aus Hannover begrüßen zu können.

   Neben dieser Veranstaltung vor Ort wird der Deutsche Gewerkschaftsbund zudem wie im vergangenen Jahr wieder ab 14 Uhr auf www.dgb.de einen Livestream zum 1. Mai senden.

Der Livestream auf Youtube mit deren Datenschutzbestimmungen

Hier sind die Maikundgebungen in der näheren Umgebung zu finden:

Soltau
Uelzen
Celle
Lüchow

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Montag, 19.04.2021

Mahn- und Gedenkveranstaltung zum 76. Jahrestag der Befreiung des KZs-Bergen-Belsen

Im Rahmen einer Mahn- und Gedenkveranstaltung zum 76. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen erinnerten Antifaschist*innen auf dem Sowjetischen Kriegsgefangenenfriedhof in Bergen-Hörsten der Opfer.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von der Sprecherin der VVN-BdA Niedersachsen, Mecki Hartung, die den weiteren Verlauf auch moderierte.

Besonders eindringliche Redebeiträge waren von Rolf Becker und einem Vertreter der Botschaft von Belarus zu hören. Auch Esther Bejarano, die Ehrenvorsitzenden der VVN-BdA, ließ ein Grußwort verlesen.

Der Redebeitrag des Journalisten und Mitherausgebers der Zeitschrift „Ossietzky“, Rainer Butenschön, führte die Schrecken des von den deutschen Faschisten geführten Vernichtungskrieg vor Augen.

Ein längerer Ausschnitt ist hier zu sehen

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Donnerstag, 15.04.2021

Die älteste Antifaschistin Lüneburgs hat am 17. April Geburtstag

Was für ein Leben – Wir gratulieren unserer Freundin Sonja Barthel zum 104. Geburtstag

Sonja Barthel

Am selben 17. April 1917, als Wladimir Lenin im fernen Petrograd die sogenannten April-Thesen vortrug (Errichtung einer Republik auf Basis der Sowjets) und in Stockholm sich deutsche Sozialdemokraten mit Mitgliedern des russischen Arbeiterrates trafen, um über die Beendigung des Krieges zu beraten, wurde in der Berliner Teutonenstraße ein kleines Mädchen geboren. Ihre Eltern gaben ihr einen seinerzeit recht ungewöhn-lichen Namen, einen russischen. Nicht ohne Grund, denn beide (Vater aus deutsch-nationalem Beamten-Elternhaus, Mutter aus dem jüdischen Besitzbürgertum) lebten für die sozialistische Idee, hofften auf den Sieg der russischen Revolution und auf eine baldige Beendigung des 1. Weltkrieges. „Sonja“ wurde das kleine Wesen benannt, „die Wissende und Weise“, „die Träumerin“, „die für die Wahrheit Kämpfende“.
Vielleicht auch ein Omen für ihren späteren Lebensweg:

Den Leitspruch der Aufklärung „Wissen ist Macht“ machte sie sich zu eigen, schon als Au-Pair-Mädchen in England während der 1930er-Jahre, später im Pädagogik- Studium in der DDR und anschließend in Lüneburg ab 1953 und sie lernte mehrere Fremdsprachen (darunter Esperanto). Eine „Träumerin“ war sie ihr Leben lang, nämlich träumend von einer besseren Welt ohne Krieg, Ungerechtigkeit und Armut. Und sie versuchte, ihre Träume Realität werden zu lassen wie etwa 1936 in London, als sie in einem Rekrutierungsbüro vorstellig wurde in der Absicht, nach Spanien zu gehen, um die dort gegen Franco kämpfenden Antifaschisten/-innen tatkräftig zu unterstützen. Und auch für die Wahrheit kämpfte sie ihr Leben lang, als Mitglied der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes schon ab 1949 und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ab 1954 (als sie in den Schuldienst eintrat), auch der SPD und später in der Lüneburger Geschichtswerkstatt.

Sonjas Mitgliedsbuch der VVN-BdA

Aus der SPD trat sie 1999 wieder aus, als diese Partei den Krieg gegen Jugoslawien unterstützte, was mit ihrer antifaschistischen Haltung nicht zu vereinbaren war. Neben diesen charakteristischen Eigenschaften besaß Sonja noch was, nämlich jede Menge „Massel“. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie als „Halbjüdin“ den Nazis immer wieder ein Schnippchen schlagen konnte und das dazugehörige (riesige) Quäntchen Glück hatte, um 1939/40 unentdeckt im Frankfurter Hochhaus der (ausgerechnet !) IG-Farben zu arbeiten, anschließend bei dieser Firma in Belgien und dann noch in Berlin die Gestapo-Vorladungen zu überstehen.

Sonjas zweites Leben begann mit der Befreiung im Mai 1945, Pädagogik-Studium und Lehrtätigkeit in Berlin, Umzug nach Lüneburg Ende 1952 – der Liebe wegen. Hier nochmaliges Studium (ihre DDR-Qualifikation wurde nicht anerkannt) an der provisorischen PH, nebenbei dort Gründung des „Sozialistischen Deutschen Studentenbundes“ SDS, Arbeit an einer zweiklassigen Volksschule in Lüneburg – Ochtmissen, bis sie 1959 endlich ihre 2. Lehramtsprüfung abgelegen durfte und anschließend in Lüneburg-Goseburg, dann an der Lüner Schule unterrichtete. Fünf Jahre später wurde sie – für 10 Jahre – „Ratsherrin“, Mitglied des Rates der Stadt Lüneburg. Ihr besonderes Interesse und ihr Engagement für die Spracherwerbs- probleme ihrer Schulkinder führte sie zur Sonderschule L (für lernbehinderte Kinder). Nun wurde sie im Alter von 55 Jahren erneut Studentin (Ausbildung zur Lehrerin im Bereich Sonderpädagogik- Sprachheilpädagogik), unterrichtete anschließend viele Jahre eine Sprachheilklasse und wurde nach Einführung der Sonderschule G (für geistig behinderte Kinder) deren Konrektorin (mit 61 Jahren!), wohin sie wegen ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit der Einrichtung der Lüneburger „Lebenshilfe“ berufen wurde.

Ein weiteres Mal startete Sonja nach ihrer Pensionierung durch: Die lokale Geschichtsarbeit über die NS-Verbrechen stand für sie im Vordergrund und selbst als über 90-Jährige war sie auf Anti-Nazi-Kundgebungen (auch als Sprecherin) ebenso zu finden wie als Vortragende in Bildungseinrichtungen, zuletzt im März 2016 vor etwa 500 Schülern/-innen der Herderschule sowie im Juni desselben Jahres (nach Vollendung ihres 100. Lebensjahres!) vor der Literarischen Gesellschaft Lüneburg.

Im Gespräch bei der Literarischen Gesellschaft Lüneburg
Vor 4 Jahren: Sonja feiert ihren 100. Geburtstag

Und es wurde die Welt bereist, kaum ein Kontinent ausgelassen, Verwandten- besuche, Kontakte zu ihren Esparanto-Freunden/-innen gepflegt. Lange bevor der Terminus „Couchsurfing“ bekannt wurde, schlief sie bereits auf den Sofas ihrer Esparanto-Gastgeber rund um den Globus. Sprache? Kein Problem. Freunde/-innen aus aller Herren/Damen Länder waren bei ihr zu Hause zu Gast in ihrer Mehrgenerationen-Wohngemeinschaft in Lüneburg, wo sie wohnt mit Nicol und Georg und deren Kindern sowie, seit einem Jahr, einer Enkelin. Kein Wunder also, dass bei ihrer Feier zum 100. Geburtstag über 160 Gäste aus vielen Staaten Europas und darüber hinaus zugegen waren. Was für ein Leben!

Sonja im Kreise ihre Wohngemeinschaft

Übrigens: Seit einiger Zeit gibt es in Lüneburg ein „Sonja-Barthel-Haus“. Die Jugendorganisation „Die Falken“ hat das Gebäude ihrer Unterkunft in der Lauensteinstr. 1 / Ecke Am Springintgut nach Sonja benannt – antifaschistisches Engagement verbindet!

Sonja, wir wünschen dir und uns, dass du noch lange mit uns „die alten Lieder“ singen wirst (die immer noch aktuell sind), von „Avanti Popolo“ bis zu „Dem Morgenrot entgegen“ und dabei deine Stimme, wie immer bei diesen Anlässen, nicht zu überhören ist.


Es grüßen dich deine antifaschistischen Freundinnen und Freunde.

 

 

Übrigens:


Ihre Lebenserinnerungen schrieb Sonja als knapp 90-Jährige auf und veröffentlichte sie unter dem Titel „Wie war das damals, erzähl doch mal …“ Diese Autobiografie kann bei der Lüneburger Geschichtswerkstatt bestellt werden unter:

info@geschichtswerkstatt-lueneburg.de

pa/pg

Sonntag, 04.04.2021

Friedenskundgebung im Clamartpark Lüneburg

Redner*innen brandmarken die verstärkten Rüstungsanstrengungen

Unter den Augen des, wegen der inzwischen freundlicheren Farbgebung, nicht mehr ganz so martialischen Dragoner-Kriegers versammelten sich am Samstag Menschen, die dem Aufruf des „Friedensbündisses Lüneburg“ folgten. Thematisiert wurde die Rüstungspolitik der Bundesrepublik.

Die Bundesrepublik konnte sicherlich den guten 7. Platz von 2020 bei den Ausgaben für Rüstungsgüter im Vergleich mit anderen Staaten halten. Sollen die Rüstungsausgaben doch von 45,6 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf rund 50 Milliarden in diesem Jahr steigen. Nur die Hälfte des Rüstungsetats sind für das Gesundheitssystem vorgesehen und ein Bruchteil für die Entwicklungshilfe.

Vergleicht man die Rüstungsausgaben der USA mit denen Russlands erscheint die gebetsmühlenartig immer wieder vorgebrachte Behauptung, die weitere Aufrüstung der Bundeswehr sei nötig, um eine Aggression der Russischen Föderation zu verhindert, doch mehr als fragwürdig.

Beifall fanden deshalb immer wieder die Forderungen der Lüneburger Friedensbewegung:

  • Für internationale Kooperation statt immer neuer Kriegseinsätze
  • Für ein Verbot von Waffenexporten aller Art
  • Verbot aller Atom- und Massenvernichtungswaffen überall
  • Für ein Ende der Festung Europa und die Wiederherstellung des Asylrechts
  • Für konsequente Abrüstung und die Umverteilung freiwerdender Mittel
  • Für die Umsetzung der Menschenrechte sowie internationale Solidarität weltweit.

Der Redebeitrag der VVN-BdA-Lüneburg zeigte am historischen Beispiel des größten Lüneburger Kriegsverbrechens wie sich die Grundforderung der VVN-BdA

  • Nie wieder Faschismus !
  • Nie wieder Krieg !
    mit Inhalt füllen lässt.

   Den Redebeitrag ansehen und anhören.

Ein weiterer Beitrag der VVN-BdA-Lüneburg waren Rezitationen aus dem Gedicht „Wacht auf“ von Erich Fried und aus dem Theaterstück „Bambiland“ von Elfriede Jelinek.

Die Forderung „Nie wieder Krieg“ passt noch nicht für die Kurdengebiete.
Dort muss es heißen „Den Krieg sofort beenden!“

Auf den seit Jahren andauernden Krieg des türkischen Staates gegen die kurdische Bevölkerung machte eine Sprecherin der Linken in einer eindringlichen Rede aufmerksam. Die Aktionen des türkischen Militärs innerhalb der Türkei und in angrenzenden Staaten fordern täglich Opfer. Die basisdemokratischen Strukturen in den Kurdengebieten wurden und werden zerstört.

Die Situation von Frauen in der Türkei prangerte die Rednerin an. Es ist eine weitere Verschlechterung der Lage zu erwarten, weil der türkische Staat die Istanbul-Konvention, das weltweit erste verbindliche Abkommen gegen Gewalt an Frauen, aufgekündigt hat.

Die Rednerin sprach in Vertretung für eine kurdische Aktivistin aus Celle.

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Freitag, 26.03.2021

Veranstaltungen Gemeinnützigkeit

   Auftaktveranstaltung zur Veranstaltungsreihe „Wer oder was ist eigentlich gemein-nützig? Geschichte, Gegenwart und Ausblick zum Kampf um die Gemeinnützigkeit“ startete online mit über 100 Teilnehmer*innen.
   Conny Kerth, Christian Viefhaus und Anika Taschke (Moderation) führten durch die Veranstaltung. Für alle, die nicht teilnehmen konnten, sind Wortbeiträge und Diskussion unten auf Youtube zu sehen und zu hören.

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Donnerstag, 25.03.2021

Erster großer Erfolg der bundesweiten Solidarität

Finanzamt rudert zurück – VVN-BdA ab 2019 wieder gemeinnützig!

Hier die Pressemitteilung der VVN-BdA:

Finanzamt rudert zurück – VVN-BdA ab 2019 wieder gemeinnützig!
Der erste Schritt ist getan: Über unsere Anwälte erreichte uns heute die Mitteilung des Finanzamtes für Körperschaften I in Berlin für das Jahr 2019: die VVN-BdA ist wieder gemeinnützig.
Das ist ein gutes und wichtiges Signal für den Antifaschismus in diesem Land!
   Zur Begründung teilt das Finanzamt mit, die Gemeinnützigkeit könne „nach eingehender Prüfung“ gewährt werden, da die Bundesvereinigung der VVN-BdA im Jahr 2019 im Verfassungsschutzbericht des bayerischen Geheimdienstes nicht mehr als „extremistische Organisation“ eingestuft sei. Aufgrund der geänderten Einstufung stehe der Paragraph 51 der Abgabenordnung der Anerkennung der Gemeinnützigkeit „nicht im Wege“.
Die VVN-BdA wertet das als Signal, dass die Vernunft siegen wird und wir sind jetzt zuversichtlich, bald auch eine positive Nachricht für die Jahre 2016-18 zu erhalten.
   An dieser Stelle bedanken wir uns schon einmal bei allen, die uns bei dieser schwierigen und langen Auseinandersetzung unterstützt haben! Durch die große Solidarität, die verstärkte Öffentlichkeit und den lauten Protest von Vielen wurde deutlich, welche Bedeutung die VVN-BdA in diesem Land bis heute innehat, und dass Antifaschismus eine breite gesellschaftliche Basis hat.

Gemeinsam sind wir stark!

Für Presseanfragen stehen wir gerne zur Verfügung.
Kontakt: Hannah Geiger (Pressereferentin VVN-BdA) presse@vvn-bda.de Mobil |Mobile +49 (0)178 2785958 Telefon (+49) 030-55579083-4 Telefax (+49) 030-55579083-9

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Dienstag, 23.03.2021

Lange Zeit verschwiegen und vergessen - Die Verfolgung der Sinti und Roma

Für die Zeit vom 16. bis 27. März 2021 haben viele Gruppen, Initiativen Bündnisse und Netzwerke sich zusammen getan. Sie bieten eine Vielzahl von Aktionen und Veranstaltungen an.
Die VVN-BdA-Lüneburg führt zwei Veranstaltungengemeinsam mit der „Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten/Kompetenzstelle gegen Antiziganismus“ durch.

Jetzt online verfügbar der Film: Die Verfolgung der Lüneburger Roma und Sinti im Nationalsozialismus

Die Verfolgung der Lüneburger Roma und Sinti im Nationalsozialismus

Foto aus dem Film “Die Verfolgung von Sinti und Roma in Lüneburg…”

Die Fotos, von der Entstehung des Filmes, machen den Lüneburger bzw. Adendorfer Bezug deutlich.

Zur Umsetzung dieses Projektes durch die Falken (MOBIRED) und die VVN-BdA-Lüneburg im Interview Georg Gunkel-Schwaderer mit Peter Asmussen.

Foto aus dem Film “Die Verfolgung von Sinti und Roma in Lüneburg…”

„Die Verfolgung der Lüneburger Roma und Sinti im Nationalsozialismus und der daraus erwachsene Auftrag an die heutige (Stadt-) Gesellschaft“.
Wir haben in den letzten Wochen gemeinsam mit den Falken (MOBIRED) einen Film zum Thema gedreht und wollen eine Kurzversion davon zeigen. Der Film in voller Länge ist dann in den Tagen darauf über unsere Homepage anzuschauen.

Foto aus dem Film “Die Verfolgung von Sinti und Roma in Lüneburg…”

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Gedenken an den Terroranschlag in Hanau

 
Freitag, 19.02.21, 16 bis 18 Uhr Marktplatz Lüneburg
 

Ein Jahr nach dem Terroranschlag wird auch in Lüneburg von verschiedenen Bündnissen zum Gedenken aufgerufen: Am Freitag, den 19.02.21, von 16 bis 18 Uhr auf dem Marktplatz. Gemeinsam gegen die Angst. Erinnern heißt verändern.

Bitte denkt an eine Maske. Es werden FFP2-Masken gegen Spende bereitgestellt. Haltet Abstand. Bringt gerne ein Glas mit einem Teelicht oder eine andere Art von Kerze mit.

Freitag, 29.01.2021

Würdevolle Gedenkfeier zum Jahrestag der Befreiung des KZ-Auschwitz

Erneut gelang es der Antifaschistischen Aktion Lüneburg/Uelzen auch unter erschwerten Bedingungen eine Feier durchzuführen

Teilnehmer*innen verschiedener antifaschistischer Organisationen verteilten sich weitläufig im Wandrahmpark. Sie hörten Redebeiträge, die alle einzelne, persönliche Schicksale und Erlebnisse von Naziopfern in den Mittelpunkt stellten. Vorgetragene Erlebnisberichte von rassistisch und/oder politisch Verfolgten machten das unsagbare Grauen der faschistischen Vernichtungsdoktrin greifbar.

Die Schilderung der erdrückenden Aussichtslosigkeit, gegenüber der Darstellung des Widerstandes im Warschauer Ghetto und besonders des Widerstands im KZ-Auschwitz wurde von den Redner*innen machte deutlich: „Widerstand ist immer möglich!“ 1944 griffen vor dem Krematorium III im Vernichtungslager mehrere Dutzend Häftlinge mit Waffen und Steinen die SS-Offiziere an. Gleichzeitig, wurden Krematoriumgebäude mit selbst gebauten Granaten in Brand gesetzt. Frauen, die als Häftlinge in der Munitionsfabrik in Auschwitz arbeiten mussten, hatten unter Lebensgefahr Schießpulver in die Krematorien geschmuggelt, aus denen Granaten hergestellt wurden. Auch wenn dieser als „Vergessener Aufstand“ bekannte Widerstand letztlich niedergeschlagen wurde, widerspricht er dem oft vermittelten Eindruck, dass sich die Häftlinge der Konzentrationslager wie „Schafe“ zur Schlachtbank führen ließen.  

Einen unerfreulichen Eindruck hinterlässt allerdings immer wieder, der etwas verloren im Park stehende Eisenbahnwaggon der Reichbahn. Immerhin inzwischen mit einer Informationstafel versehen, wartet er jetzt seit Jahren darauf als das genutzt werden zu können, weshalb er dort aufgestellt wurde, nämlich als Lernort der unter anderem die Grausamkeit der Häftlingstransporte greifbar macht.
Der Redebeitrag der VVN-BdA-Lüneburg zeigt die versuchte Auslöschung der Sinti und Roma auf
Die Gedenkveranstaltung war sehr gut besucht, trotz der Dunkelheit an den Masken gut zu sehen
Im Rahmen der Abschlussrede verliest der Redner der VVN-BdA die Namen von den bis jetzt bekannten Lüneburger*innen, die in Auschwitz ermordet wurden. Es waren 51 Sinti, 23 Juden und 7 weitere Lüneburger*innen.

30.01.2021

Zur Gedenkveranstaltung für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas

Mittwoch, 13.01.2021

Riesen Nachfrage nach unserer neuen Broschüre
 
In der sehr ausführlichen Rezension der Schrift von Markus Bernhardt in der „Jungen Welt“ gehen täglich viele Bestellungen bei uns ein. In der „Jungen Welt“ heißt es unter anderem über unsere Arbeit: „Erstmals in der Bundesrepublik haben die Autoren die strafrechtliche Verfolgung von Kommunisten und Antifaschisten nach dem Strafrechtsänderungsgesetz von 1951 bis 1968 dezidiert an einem Gerichtsort untersucht. Die Lüneburger Antifaschisten haben eine Durchleuchtung des Justizpersonals, der Verfahren und der Justizopfer vorgelegt. Allein an diesem Gerichtsort wurde aus politischen Gründen eine Gesamthaftstrafe von ca. 4.000 Monaten Gefängnis verhängt.“

Deshalb auch hier noch einmal die Vorstellung des Bandes  III mit dem Titel „Kalter Bürgerkrieg in Lüneburg“ aus der Reihe „Landgericht Lüneburg als‚ Spitze der justizförmigen Kommunistenverfolgung‘ der 1950er-/1960er-Jahre“.
Kalter Bürgerkrieg in Lüneburg: Unter diesem Titel legt die Lüneburger VVN BdA ihre neue Schrift vor

Unsere Schriftenreihe über das „Landgericht Lüneburg als ‚Spitze der justizförmigen Kommunistenverfolgung‘ der 1950er-/1960er-Jahre“ schließen wir jetzt mit dem Teil III mit dem Titel „Kalter Bürgerkrieg in Lüneburg“ ab. Damit endet nach sechs Jahren Recherche und Schreibarbeit (ca. 450 Seiten) dieses bundesweit einzigartige Projekt, am Bespiel des Landgerichts Lüneburg das Personal und die Verfahren einer der politischen Strafkammern darzustellen und einer Kritik zu unterziehen.

Zu hoffen ist, dass wir damit den Anstoß zu einer Diskussion auf den verschiedenen politischen und Justiz-Ebenen gegeben haben/geben werden, die einen etwas anderen Blick auf die  Zeit der jungen Bundesrepublik wirft und vielleicht sogar zur Rehabilitierung der politischen Opfer führt.

Die Broschüre „Das Landgericht Lüneburg als ‚Spitze der justizförmigen Kommunistenverfolgung“ der 1950er/1960er Jahre“, Teil III „Kalter Bürgerkrieg in Lüneburg“ ist (wie die anderen Schriften dieser Reihe) auf Rechnung für 7,00 Euro zu erhalten unter der Bestelladresse:

vvn-bda-lueneburgätvvn-bda-lgpunktde
[Bitte abschreiben und entsprechendes einsetzen (ät=@ / punkt=.)]

Kalter Bürgerkrieg in Lüneburg
Unter diesem Titel legt die Lüneburger VVN BdA eine fünfte Schrift vor, mit der sie ihr Geschichtsprojekt „Das Landgericht Lüneburg als ‚Spitze der justi zförmigen Kommunistenverfolgung‘ der 1950er/1960er Jahre“ abschließt. Erstmals in der Bundesrepublik untersuchen die Verfasser die strafrechtliche Verfolgung antifaschistischer Bestrebungen in der unmittelbaren Nachkriegszeit nach dem Strafrechtsänderungsgesetz von 1951 bis 1968 dezidiert an einem Gerichtsort, nämlich am Beispiel der Praxis von Staatsanwaltschaft und politischer Strafkammer des Lüneburger Landgerichts.
Nach einer Vorstellung des Justizpersonals dieser Strafkammer (einschließlich der Staatsanwaltschaft ) mittels ihrer be ruflich politischen Biographien insbesondere als Nazi Juristen im Band I und der Darstellung der Verfolgungs-bemühungen der Staatsanwaltschaft sowie der Spruchpraxis des Gerichts im B and II a bis II c folgt im nun vorgelegten Band III ein Resümee.
Ein maßgeblicher Schwerpunkt der Schrift stützt sich auf bislang nicht ausgewertete Überlieferungen des Nieder-sächsischen Landesarchivs, den Sachstandsberichten der Lüneburger Staatsanwaltschaft über ihre politischen Verfahren während dieser Zeit. Diese Schriftsätze, die über das Justizministerium in Hannover dem Bundesjustizministerium in Bonn vorgelegt wurden, geben Auskunft über das Selbstverständnis der Strafverfolgungsbehörde (sowie der Ministerien), welches ein aggressiv antikommunistisches, nationalistisch völkisches, autoritär antiliberales Sta atsverständnis offenbart und ebenfalls antisemitische Züge trägt.
Die Auswertung dieser Sachstandsberichte erlaubt es nunmehr, einen detaillierten Blick in die NS affine Mentalität der Lüneburger Staatsanwaltschaft zu werfen, die auch vor einer Desavouierung von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer und Kirchenpräsident Martin Niemöller und anderen antifaschistischen Persönlichkeiten nicht Halt macht. Es wird der Umfang und die Intensität staatsanwaltschaftlicher Verfolgungsbemühungen in ihrer Zusammenarbeit mit den Behörden des Verfassungsschutzes und der Nachrichtenpolizei beschrieben, die den damaligen Saarbrücker Strafrechtsprofessor (und späteren FDP Bundesjustizminister) Maihofer zur Bemerkung veranlassten, dass sie „einem ausgewiesenen Polizeistaat alle Ehre machen.“
Eine Auflistung von Opfern der Lüneburger politischen Strafjustiz schließt den Band ab. Von den insgesamt 889An-klagefällen konnten die Namen von 486 Personen recherchiert und aufgelistet werden. Eine Addition der erlittenen Haftstrafen beträgt demnach ca. 4.000  Monate Gefängnis.
In einem Rechtstaat können die in dieser Broschürenreihe vorgelegten Arbeitsergebnisse nur eine Konsequenz haben: Die Rehabilitierung dieser Verfolgten des Kalten Bürgerkrieges und die Ent schädigung der Verurteilten. Diesen „Menschen, die um ihre Freiheit, ihren Beruf, ihre Renten, mit einem Wort um ihr Lebensglück gebracht (wurden), weil ihre politische Gesinnung nicht in die antikommunistisch ausgerichtete formierte Gesellschaft passte“ (Rechtsanwalt Heinrich Hannover) muss endlich Gerechtigkeit zuteil werden. Die Zeit eilt, wenn die wenigen noch lebenden seinerzeit Verfolgten noch ihre gesellschaftliche Anerkennung erleben sollen.