Kann die Würde eines Menschen mit einer Gedenkveranstaltung und der Aufstellung einer Gedenktafel wieder hergestellt werden? Können wir uns freuen, dass die „Aus den Augen – aus dem Sinn“ Vertuschungsmentalität, die nicht nur in den direkten Nachkriegsjahren und nicht nur in Lüneburg und Umgebung herrschte, vorüber scheint?
Freude ist wohl im Zusammenhang mit den Morden an Menschen unpassend. Froh können wir jedoch sicher sein: In Stadt und Landkreis Lüneburg gibt es seit Jahrzehnten Frauen und Männer die sich niemals mit den verlogenen Verniedlichungsmechanismen im offiziellen und privaten Gebaren im Zusammenhang mit den Verbrechen während des Nationalsozialismus abgefunden haben.
Da gibt es den „Arbeitskreis Erinnerungskultur“ der Hansestadt Lüneburg. Eingerichtet wurde er vor mehr als sechs Jahren. Seitdem bemühen sich Vertreter*innen verschiedener Organisationen in aufreibender Kleinarbeit, die Lüneburger Geschichte, besonders während des Nationalsozialismus ins richtige Licht zu setzen. An Orten mit dem entsprechenden Bezug werden nun endlich Informationstafel aufgestellt werden, die die damaligen Geschehnisse in ihrer brutalen Realität darstellen und Lüneburger Verantwortliche beim Namen nennen.
Da gibt es Mitglieder der VVN-BdA-Lüneburg, die mit Rundgängen zu den Originalschauplätzen des größten Kriegsverbrechens im Jahr 1945 in der Stadt regelmäßig unter anderem Schüler*innen über die auf rechtem Gedankengut basierenden Naziverbrechen informieren.
Und da gibt es Hans-Jürgen Brennecke, Manfred Messer und Peter Asmussen von der VVN-BdA-Lüneburg, die vor Jahrzehnten auf den Skandal der sogenannten Russengräber zwischen den Orten Reppenstedt und Böhsmholz aufmerksam machten. Kurzfristig war das Verbrechen an fast 50 Sowjetsoldaten auch in der Lokalpresse ein Thema. Ebenso schnell sollte es wohl aber auch wieder vergessen werden. Als die Broschüre der VVN-BdA-Lüneburg zum „KZ-Friedhof“ im Waldgebiet Tiergarten das Thema 2016 in einem Kapitel erneut aufgriff, fand es augenscheinlich nur bei Insider*innen Interesse.
Nun wurden die ermordeten Menschen auf Initiative des Gemeindebürgermeisters von Reppenstedt Christian Purps, der ein entsprechender Antrag der SPD, der Grünen, von Die Linke und Soli im Gemeinderat folgte, endlich zurück aus der Vergessenheit geholt.
Auch wenn es sich nur um eine weitere Gedenktafel handelt, die Männer sind mit ihren Namen und Fotos nicht mehr anonyme „Russen“. Sie sind nunmehr als Menschen erkennbar, die unter den Bewohnern des Landkreises lebten.
Ihre Geschichte verdeutlicht die ungeheure, menschenverachtende Ideologie der Nazis. Sie macht die Mitschuld der deutschen Bevölkerung offenbar.
Die Hoffnung besteht, dass diese Gedenktafel dadurch ein Puzzleteil sein kann, das die Wiederholung eines wie auch immer gearteten Terrors rechter Gruppierungen zukünftig verhindert. Vielleicht auch bei so manchen ihre in rechten Denkweisen verhafteten Ideen ändern kann.